Wirtschaft : Falscher Maßstab

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Von Dieter Fockenbrock

ScheringAktionäre können sich nicht beklagen – bislang nicht. „Ihr“ Unternehmen zählt zu den Vorreitern für Transparenz und gute Unternehmensführung. Tricksereien in der Bilanz überließ Schering anderen, die es nötig hatten. Und selbst bei dem brisanten Thema Vorstandsgehälter wagten sich die Berliner Pharmamanager weit nach vorne. Zwar werden die Managerbezüge nicht en Détail veröffentlicht. Doch das Einkommen des Vorstandschefs Hubertus Erlen ist kein Betriebsgeheimnis, die restlichen Vorstände werden immerhin in Summe genannt. Mehr noch: Selbst die nicht unbescheidene Höhe der Gehälter und ihre Aufteilung nach festen und erfolgsorientierten Anteilen sind kein Anlass zu großer Kritik. Kurzum: Schering gilt in solchen Corporate-Governance-Fragen als vorbildlich in Deutschland. Bisher.

Jetzt sollen auch die Aufsichtsräte erfolgsorientierter bezahlt werden. An sich ein vernünftiger Plan. Schering ist dabei aber auf dem besten Wege, seinen guten Ruf zu verspielen. Warum ausgerechnet der Börsenkurs der Schering-Aktie als weiteres Kriterium dafür herangezogen werden soll, bleibt das Geheimnis des Unternehmens. Denn Börsenkurse – das wissen wir spätestens seit den Zeiten des Börsenbooms – unterliegen den Launen des internationalen Finanzmarktes. Hinzu kommt: Kurse spiegeln nur grob den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens wider. Da gibt es bessere Maßstäbe. Und: Kurse können leicht beeinflusst werden. Nicht nur der Bundesgerichtshof hält solche Konstruktionen für bedenklich. Deshalb sollte sich Schering auch ganz schnell von der Idee verabschieden. Am Freitag zum Beispiel. Die Hauptversammlung ist eine ideale Gelegenheit.

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