Familenunternehmen : Darauf einen Wodka

Deutschlands Familienunternehmer erleiden in der Krise Einbrüche und klagen über die Politik.

Alexander Visser
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Für deutsche Familienunternehmen. Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Foto: dpa

Berlin - „Aus Russland sind deutsche Familienunternehmen gar nicht mehr wegzudenken“, ruft der russische Botschafter in Berlin den versammelten Familienunternehmern zu. „Gips von Knauf findet man auf vielen Baustellen, Joghurt von Ehrmann sieht man in fast jedem Kühlregal. Die Produkte der deutschen Familienunternehmen genießen bei uns einen exzellenten Ruf“, sagt Vladimir Kotenev im großen Saal der russischen Botschaft Unter den Linden und erntet warmen Applaus. Das russische Lob freut die deutschen Unternehmer, die sich von der eigenen Politik in der Krise nicht genug beachtet fühlen.

Einmal im Jahr lädt die Stiftung Familienunternehmen Firmenchefs aus dem ganzen Land in die Hauptstadt. Etwa 280 Unternehmer sind dieses Jahr gekommen, darunter Vertreter bekannter Firmen wie Henkel, Metzler oder Kärcher. Russland ist ein wichtiger Markt, in der mächtigen Vertretung der früheren Sowjetunion will man Kontakte knüpfen oder ausbauen. Über dem Büffet mit Lachs, Flusskrebsen und Pelmeni prangen die goldenen Wappen einstiger Sowjetrepubliken wie Lettland oder Litauen. Lange Reihen mit Wodkagläsern wurden vorsorglich eingegossen. „Früher waren die Gläser noch größer“, sagt Heiner Wemhöner vom gleichnamigen Möbelmaschinenhersteller aus dem ostwestfälischen Herford.

Sein Vater war einer der ersten deutschen Unternehmer, die nach dem Krieg in großem Stil Geschäfte in der Sowjetunion machten, erzählt Wemhöner. „Einen Auftrag über 100 Millionen Mark hat er Anfang der 70er Jahre abgeschlossen.“ Zur Geschäftsanbahnung musste der Senior eine Menge Wodka trinken. Der Sohn hat die Tradition fortgesetzt, auch er machte gute Geschäfte mit den Russen – „bis September vergangenen Jahres“, sagt der Maschinenbauer. Durch die Finanzkrise sei das Russlandgeschäft fast komplett weggebrochen. „Unsere Partner finden keine Banken mehr, die den Kauf von Maschinen zu akzeptablen Bedingungen finanzieren würden. Angeblich sollen sie 20 Prozent Zinsen bezahlen“, berichtet Wemhöner.

Auch vielen anderen Mittelständlern brechen in der Krise Geschäfte weg. Die Stiftung Familienunternehmen wirft der großen Koalition vor, sich zu sehr um Konzerne zu kümmern, von „grassierendem Rettungswahn zugunsten der Größtunternehmen“ spricht Stiftungsvorstand Brun-Hagen Hennerkes am Freitag. Immerhin habe sich Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von diesem Wahn nicht anstecken lassen. Der Gastredner betont dann auch die Bedeutung der Familienfirmen, gerade in Krisenzeiten. „Sie stehen in besonderem Maße für Werte wie Nachhaltigkeit, Stabilität und Verlässlichkeit, die aktuell wieder stärker in das Zentrum des Interesses gerückt sind“, sagt zu Guttenberg.

Zum Hilfsgesuch der milliardenschweren Firmengruppe Schaeffler sagt der Minister nichts. Es sind dieser Tage nicht nur Aktiengesellschaften, sondern durchaus auch Familienunternehmen, die Geld vom Staat brauchen. Alexander Visser

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