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Familienfehde im Fleischkonzern : Clemens Tönnies verliert Alleinherrschaft

Der Boss von Schalke 04, Clemens Tönnies, und sein Neffe Robert kämpfen um die Vorherrschaft im milliardenschweren Fleischkonzern. Am Montag hat der Onkel sein doppeltes Stimmrecht und damit das alleinige Sagen eingebüßt.

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Verloren: Clemens Tönnies (rechts) während der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Hamm.
Verloren: Clemens Tönnies (rechts) während der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Hamm.Foto: dpa/ Maja Hitij

Clemens Tönnies weiß, wie er sich Freunde macht. Wenn Deutschlands mächtigster Metzger nach Russland reist, kommt der 58-Jährige nicht mit leeren Händen. Für Wladimir Putin, den russischen Staatspräsidenten, bringt er stets zwei Geschenke mit: eigenhändig zubereitetes Eisbein und ein aktuelles, mit dem Namen Putins beflocktes Mannschaftstrikot des Bundesligisten Schalke 04, dessen Aufsichtsrat der Unternehmer seit Jahren leitet und der über den Sponsor Gazprom eng verbunden ist mit dem russischen Staat und der Machtelite um den Präsidenten.

Doch ausgerechnet im Familienkreis hat sich Tönnies keine Freunde gemacht. Im Gegenteil: Mit seinem Neffen Robert bekämpft sich der Unternehmer bis aufs Messer. Am Montag hat Clemens Tönnies in der Familienfehde nun eine empfindliche Niederlage hinnehmen müssen. Das Oberlandesgericht Hamm (Az: 17 O 61/12) kassierte das Doppelstimmrecht, das Tönnies seit 2002 innehatte. Es sicherte dem Konzernchef jahrelang die Macht in dem Fleischunternehmen. Das wäre nach den Anteilsverhältnissen nämlich normalerweise nicht so.
Sowohl Clemens als auch Robert halten jeweils 50 Prozent an dem Konzern. Dass Clemens dennoch das Sagen im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück, dem Sitz des Unternehmens hat, ist allein dem doppelten Stimmrecht zu verdanken, das Heiligabend vor zwölf Jahren vereinbart worden war. Gegen das hatte der Neffe bereits im vergangenen Jahr vor dem Landgericht Bielefeld erfolgreich geklagt. Doch Clemens war in die Berufung gegangen – wie sich jetzt zeigt, ohne Erfolg.

"Wir sind voll handlungsfähig", sagt Clemens Tönnies

„Der Senat konnte nicht feststellen, dass die Parteien ein derartiges, in den schriftlichen Verträgen nicht dokumentiertes Stimmrecht zugunsten des beklagten Onkels vereinbart haben“, ließen die Richter nach mehrstündiger Verhandlung am Abend verkünden. Und schlimmer noch für den erfolgsverwöhnten Clemens Tönnies: „Der Senat hat die Revision gegen sein Urteil nicht zugelassen.“ Tönnies könnte gegen diese richterliche Entscheidung jedoch klagen und versuchen, seinen Fall doch noch vor den Bundesgerichtshof zu bringen – und so seine Alleinherrschaft zu retten. Noch ist nicht klar, ob er das tun wird: "Wir werden die Begründung des Gerichts jetzt studieren und dann entscheiden, ob wir in Revision gehen", erklärte sein Anwalt Tobias Bürgers am Abend. Auch Tönnies bemühte sich sichtlich um Normalität. "Wir arbeiten jetzt ruhig weiter", betonte er. Bis dato hätten die Gesellschafter bei allen wichtigen Entscheidungen immer eine Linie gefunden. "Wir sind voll handlungsfähig. Das doppelte Stimmrecht habe ich bis dato für die Unternehmensführung nicht benötigt."

Dallas in Rheda-Wiedenbrück

Doch der Streit um das doppelte Stimmrecht ist nicht der einzige Zwist in der Familienfehde. Tönnies könnte auch der Verlust von Anteilen drohen. Was in Rheda-Wiedenbrück, dem Sitz des milliardenschweren Fleischkonzerns passiert, erinnert an den „Denver-Clan“  oder an „Dallas“. Von Lüge ist die Rede und Verrat. Robert hatte nach dem Tod des Vaters seinem Onkel Clemens, der damals nur 40 Prozent am Unternehmen hielt,  zehn Prozent seiner Anteile geschenkt. Das ist unstrittig. Streit gibt es aber über die Frage nach dem Warum. Angeblich seien Clemens die zehn Prozent von seinem Bruder Bernd, dem Unternehmensgründer, versprochen worden, soll Tönnies dem Neffen gesagt haben, doch Bernd, schwer nierenkrank, habe dieses Versprechen nicht mehr einlösen können. Doch dieses  vermeintliche Versprechen war erfunden, sagt Robert heute.

Es geht um viel Geld

Es geht nicht nur um Ehre und Wahrheit, sondern auch um viel Geld. 5,6 Milliarden Euro Umsatz machte der  Fleischkonzern  im vergangenen Jahr,  über 17 Millionen Schweine wurden geschlachtet. Clemens Tönnies ist zudem in Russland aktiv und baut dort eine riesige Schweinemast auf.

Man habe Dinge umgesetzt, die vor 20 Jahren unmöglich schienen, sagte Clemens Tönnies einst dem „Handelsblatt“. Früher seien Schweine geschlachtet und in einer Hälfte verkauft worden. Heute schneide Tönnies 260 Teilstücke und liefere diese bedarfsgerecht in alle Welt. „Schweinerücken und Filets gehen nach Japan, Bäuche nach Korea und die Pfötchen nach China“. Zerteilen und zerlegen hat Tönnies reich gemacht. Doch im eigenen Haus dürfte er das nicht wollen.

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