Familienministerin Kristina Schröder : Pranger statt Quote

Familienministerium bewertet die Frauenförderung der Dax-Konzerne.

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Transparenz und Wettbewerb waren die Schlagworte, die am Freitag aus dem Bundesfamilienministerium zu hören waren. In der aktuellen Debatte um die Einführung einer Frauenquote auf europäischer Ebene will Ministerin Kristina Schröder (CDU) nun ihre Flexi-Quote verteidigen. Dafür hat die CDU-Politikerin, die auf öffentlichen Druck und freiwillige Selbstverpflichtungen statt auf gesetzlich festgelegte Ziele setzt, ein Ranking erarbeiten lassen. Es bewertet die größten deutschen börsennotierten Konzerne nach ihren Fortschritten in der Frauenförderung. Die Liste zeige, „wie ambitioniert die Ziele der Unternehmen sind“, erklärte sie bereits im Vorfeld. „Wer sich anstrengt, steht dort erkennbar vorne, und wer sich verstecken will, kann das nicht länger tun“, sagte die Ministerin. Damit komme sie auch der Forderung aus dem Koalitionsvertrag nach mehr Berichtspflichten für Unternehmen zugunsten von Frauen in Führungspositionen nach.

Das Ranking zeigt den aktuellen Stand (Leistung), den Zeitrahmen (Dynamik) und die Qualität der Ziele (Ambitionen), die sich die Dax-Konzerne gesetzt haben, und bewertet sie auf einer Skala von null bis 25 (maximale Punktzahl). In die Bewertung flossen zum Beispiel das Verhältnis von weiblichen Führungskräften zur Anzahl der Frauen im Unternehmen oder der Anstieg des Frauenanteils seit der Zielsetzung ein. Grundlage sind die Angaben der Unternehmen aus dem Statusbericht „Frauen in Führungspositionen“.

An der Spitze der Liste steht der Konsumgüterkonzern Henkel. Das Unternehmen hat einen Frauenanteil bei Führungskräften von rund 30 Prozent, im Aufsichtsrat sitzen sechs Frauen neben zehn Männern. Damit erreicht Henkel heute schon fast den Anteil, den EU-Justizkommissarin Viviane Reding für das Jahr 2020 für Europa fordert. Dennoch bekommt der Konzern nicht die volle Punktzahl. „Die Ziele, die Henkel sich gesetzt hat, sind in Anbetracht des bereits hohen Frauenanteils im Unternehmen zu lasch“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums zur Begründung. Auch Bayer zählt zu den frauenfreundlichsten Unternehmen. Zwar sitzen hier weniger Frauen im Aufsichtsrat als bei Henkel, dafür bescheinigt das Ranking dem Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern ambitioniertere Ziele. Schlusslicht ist der Medizinkonzern Fresenius, bei dem es trotz eines Frauenanteils von mehr als 70 Prozent in der Belegschaft keine einzige Frau in den Aufsichtsrat geschafft hat. Zudem hat sich das Unternehmen keine expliziten Ziele gesetzt. Die Telekom, die sich als erstes deutsches Unternehmen selbst eine Frauenquote verordnet hatte, landet auf Platz fünf hinter der Deutschen Bank.

Dass noch viel passieren muss in Deutschland, zeigen die Daten, die die EU-Kommission in dieser Woche veröffentlichte: Der Anteil von Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen liegt bei schlappen 4,2 Prozent, in Aufsichtsräten sind es 15,6 Prozent. Meilenweit ist Deutschland damit etwa von Rumänien entfernt, wo in den Vorständen bereits 30 Prozent Frauen sitzen. Unter den 27 EU-Ländern belegt die Bundesrepublik Platz 19.

Das Familienministerium sieht schon erste Erfolge durch das Ranking. Es hätten sich bereits Unternehmen gemeldet und aktuelle Zahlen nachgeliefert, sagte eine Sprecherin. „Der Druck wirkt.“

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