Wirtschaft : Familienpolitik in Deutschland: Kindergärten sind nur "ausreichend"

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Wettbewerb und Profit bei der Betreuung der Kleinsten - Die Liste der Vorurteile ist lang. Ganz oben: Private Anbieter werden Luxus-Kitas für die Kinder der Vermögenden anbieten. Wer sich das nicht leisten kann, wird minderwertige Betreuung hinnehmen müssen. "Die Diskussion um Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung geht hierzulande gerade erst los", sagt Martin Hoyer vom paritätischen Wohlfahrtsverband in Berlin. Wo jahrzehntelang eine Unterversorgung der Familien mit Betreuungsplätzen herrschte, da habe auch die Qualität nicht immer im Vordergrund gestanden. Im Klartext: Die Standards in der deutschen Kinderbetreuung sind keineswegs unter staatlicher Aufsicht so hoch, dass man befürchten muss, private Anbieter würden die Qualität schmälern. Im Gegenteil. Erst der Wettbewerb der Kindergärten und Schulhorte untereinander wird - unter staatlicher Festsetzung der Standards - zu besserer Qualität führen. Wolfgang Tietze vom sozialpädagogischen Institut der Berliner Freien Universität, hat sogar in einer empirischen Untersuchung in 400 deutschen Kindergärten in Ost und West herausgefunden, dass die Qualität der Betreuung seit Jahren alles andere als "gut", nämlich in den allermeisten Fällen nur "ausreichend" ist. Grund dafür: Es gibt bis jetzt keine einheitlichen Messgrößen. Weil die Betreuung in kommunaler und Länderverantwortung liegt, fehlt es an deutschlandweiten Regularien. Fatale Folgen: Angesichts der zunehmenden Knappheit der öffentlichen Mittel werden Qualitätsdebatten unterdrückt. Und es wacht auch niemand darüber, ob sich die soziale Spaltung fortsetzt, weil allein besserverdienende Eltern dem "ausreichenden" Angebot entfliehen können.

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