Wirtschaft : Familientreffen unterm Funkturm

Die Aktionäre der Landesbank wollen mehr Geld und vermissen ein Konzept

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Es gibt Reizworte in Berlin, da hören die Menschen genauer hin. Eines davon ist Bankgesellschaft oder Landesbank Berlin, wie sich der Konzern seit einem Jahr nennt. So nimmt es nicht Wunder, dass sich rund 1200 Aktionäre zur Hauptversammlung am Donnerstag im ICC angemeldet hatten – rund 1000 fanden schließlich auch den Weg ins Kongresszentrum unter dem Funkturm.

Es ist eine Art Familientreffen, man kommt aus Köln, München, Dessau oder eben aus den Berliner Bezirken angereist, hat eine gemeinsame Leidensgeschichte und ist unzufrieden: Unzufrieden vor allem mit einer Dividende von 0,06 Euro für das Geschäftsjahr 2006 und einem Abfindungsangebot des neuen Großaktionärs, dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband, in Höhe von 6,81 Euro je Aktie.

„Da muss mehr drin sein“, sagt Bernd, der seinen Nachnamen wie alle Aktionäre nicht nennen will. Er verweist darauf, dass 90 Millionen Euro als Gewinn vorgetragen worden sind. Er habe nun jahrelang auf einer fast wertlosen Aktie gesessen, da könne er auch noch auf ein höheres Angebot warten.

Warten hat auch Günther gelernt. Er gehört vermutlich zu den dienstältesten Aktionären der Bank. Anfang der fünfziger Jahre hat er Aktien des Vorgängerinstituts Berliner Bank gekauft. „Nach dem Kriege arbeitete ich als Knecht bei einem Bauern in der Nähe von Jüterbog“, erzählt der 78-jährige Pensionär. Der Bauer wurde eines Tages enteignet, kam zusammen mit seinem Knecht auf dem Hof seines Bruders unter und zeigte Günther eines Tages seinen wahren Schatz – versteckt in einem Geräteschuppen. „Ein dickes Paket Mercedes-Aktien, gut verpackt in Ölpapier“, erzählt Günther. „In diesem Moment habe ich die Aktie entdeckt.“ Zurück in Berlin schlug er zu. 100 Stück der Berliner Bank hat er gekauft und bis heute gehalten, daneben noch andere Berliner Werte wie etwa Bekula, die Aktie der Bewag. „Die kannte ich, bei der hat meine Tochter mal gearbeitet“, sagt er.

Manch anderer, den man an den Tischen im Foyer des ICC beim Kaffee trifft, wollte Vermögen aufbauen. Viele ehemalige Mitarbeiter der Berliner Sparkasse haben sich eingefunden. „Wir bekamen nach der Schaffung der Bankgesellschaft aus Berliner Bank und Sparkasse das Angebot, verbilligt Belegschaftaktien zu kaufen“, sagt Henrik, „da habe ich zugegriffen“. Ende der 90er Jahre investierte er als Lehrling rund ein Monatsgehalt. Etwa 900 Mark für etwa 30 Aktien. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, aber verbittert ist Henrik nicht. Er kommt, wie jedes Jahr, zur Aktionärsversammlung. „Man trifft Bekannte, unterhält sich. Das ist wie eine Einladung zum Abendessen, nur dass die Bank zahlt“, sagt er. Rudi stimmt ihm zu. Der ist jetzt 85, hat „vor langer Zeit“ bei der Sparkasse gearbeitet und vor 23 Jahren 150 Aktien gekauft. „Ich bleibe der Bank treu. Wenn da in Zukunft irgendein Investor allein das Sagen hat – wer weiß, was das für die Mitarbeiter bedeutet?“

Die Zukunft der Landesbank ist auch eines der Hauptthemen vor und im Saal. Der Sparkassenverband, mit derzeit gut 91 Prozent neuer Großaktionär, habe kein Konzept für die Zukunft vorgelegt, schicke nicht mal hochrangige Vertreter auf die Versammlung, lautet die Kritik. Ob der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter an der Spitze bleibt, ist den Minderheitsaktionären ebenso unklar.

Der Chef antwortet auf entsprechende Fragen ausweichend, verweist nur darauf, dass er einen Vertrag habe und dass sich die Sparkassen doch in Presserklärungen zur Zukunft der LBB geäußert hätten. Vetter ist zuversichtlich. Das Vorsteuerergebnis von 280 Millionen Euro im vergangenen Jahr soll 2007 noch übertroffen werden. Risiken wie bei SachsenLB oder IKB gebe es nicht.

An der rosigen Zukunft wollen die Kleinaktionäre teilhaben. Noch kann der DSGV sie nicht hindern. Erst wenn er 95 Prozent des Kapitals hält, kann es sie herausdrängen – „Squeeze out“ nennt sich das dann. „Das werden wir ja sehen“, sagt ein Aktionär, „da müssen die noch Geld lockermachen.“Daniel Rhee-Piening

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