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Familienunternehmer diskutieren mit Politikern : Wirtschaft als Schulfach? Lieber nicht.

Berliner Politiker lehnen den Vorschlag der Unternehmer ab, Wirtschaft in die Lehrpläne aufzunehmen.

Sebastian Gluschak
Wird bald auch in Berlin Wirtschaft als Schulfach eingeführt?
Wird bald auch in Berlin Wirtschaft als Schulfach eingeführt?Foto: imago/Westend61

Berlin - „Lieber jetzt in Bildung und damit Chancengleichheit investieren, als später umzuverteilen“, meint Sven Fietkau, Berliner Landesvorsitzender des Verbands der deutschen Familienunternehmer. Er forderte am Donnerstag vom Senat die Einführung des Fachs Wirtschaft in die Berliner Lehrpläne. Der Verband hatte Vertreter der Landespolitik zu „Koalitionsverhandlungen“ im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl eingeladen. „Leistung ist in Berlin nicht sexy“, sagte Fietkau, eine frühe Sensibilisierung der Schüler für Unternehmertum und wirtschaftliche Prozesse könne daran etwas ändern. Vertreter der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien halten eine Auseinandersetzung mit dem Thema für sinnvoll – mehr aber auch nicht. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), selbst Physikingenieur und Volkswirt, warb in der Runde für eine Rückbesinnung auf die sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Außerdem sei eine intakte Schulinfrastruktur notwendige Grundlage für eine sinnvolle Bildungsarbeit. Hier müsse sich Berlin an bundesweiten Standards orientieren. Hans Reckers (CDU), Staatssekretär für Wirtschaft, würde „mehr Leistungsorientierung“ begrüßen, er sagte, er wolle Schulen aber nicht vorschreiben, welchen Schwerpunkt sie wählen. Auch die Abgeordneten Nicole Ludwig (Grüne) und Jutta Matuschek (Linke) sagten, sie wünschten sich mehr Wirtschafts-Inhalte, würden aber kein eigenes Schulfach Wirtschaft befürworten.

Sven Fietkau leitet den Landesverband Berlin beim Verband Die Familienunternehmer. Zudem ist er Geschäftsführer der Berliner Kanal-Wartungsfirma RUN 24.
Sven Fietkau leitet den Landesverband Berlin beim Verband Die Familienunternehmer. Zudem ist er Geschäftsführer der Berliner...Foto: DIE FAMILIENUNTERNEHMER/Anne Kreuz

Das Schulfach gibt es schon

Berliner Schulen können momentan zwar das Fach „Wirtschaftswissenschaften“ in der Sekundarstufe II anbieten, Fietkau stellt das jedoch nicht zufrieden. Er scheint die Aufnahme als Pflichtfach zu befürworten, führte seine Vision jedoch nicht weiter aus.

2015 hatte die rot-grüne Landesregierung in Baden-Württemberg als erstes Bundesland das Fach Wirtschaft verpflichtend in die Lehrpläne der Gymnasien aufgenommen. Auch in Bayern, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland gibt es verwandte Fächer.

Verwaltung soll effizienter werden

Die Verschlankung des Verwaltungsapparats ist eine weitere Forderung der Familienunternehmer – weniger Behördengänge, schnellere Bearbeitung. Fietkau „fühlt sich veralbert“, wenn er an das „Smart City“-Konzept des Senats und die Vision einer modernen Verwaltung denkt. Kollatz-Ahnen verwies auf mehr Personal: In der Verwaltung sei die Zahl der Beschäftigten von 104 000 auf aktuell 107 700 gestiegen, was dem raschen Bevölkerungszuwachs der Stadt entspreche. Zudem sei das Projekt „Einheitlicher Ansprechpartner“ erfolgreich angelaufen, ergänzte Reckers.

Ludwig von den Grünen sagte, sie sehe zu wenige Fortschritte und Kapazitäten bei der jetzigen Regierung – „dafür brauchen wir professionelle Hilfe“. Jutta Matuschek von der Linken setzt auf die Weiterbildung des bestehenden Personals. In puncto Infrastruktur präsentierten die Unternehmer weitere Wünsche. Berlin habe bei den Investitionen in den Bereichen Verkehr und Digitales Nachholbedarf. Als Maßstab nannte Fietkau die Stadt Hamburg.

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