Wirtschaft : Familienzoff bei Jack White

Der Sohn des Gründers wird geschasst, die Aktie legt um 29 Prozent zu. Das US-Geschäft macht die meisten Probleme

Moritz Döbler

Berlin – Jack White ist einer der großen Namen im deutschen Showgeschäft. Der Metzgersohn, der als Horst Nußbaum auf die Welt kam, schrieb Hits für große Schlagerstars. „Schöne Maid“ für Tony Marshall etwa oder „Heute so, morgen so“ für Roberto Blanco. Auch „Fußball ist unser Leben“, 1974 für die deutsche Nationalmannschaft geschrieben, stammt von ihm. Mehr als 300-mal wurde er mit Gold und Platin ausgezeichnet. Sein musikalisches Lebenswerk ist unvergänglich – sein wirtschaftliches befindet sich dagegen in einem schmerzhaften Umbruch.

Am Montag gab die Berliner Firma Jack White Productions bekannt, dass der Sohn des Firmengründers, Finanzvorstand Frank Nußbaum, das Unternehmen verlässt. Von beiderseitigem Einvernehmen, das in solchen Fällen gern bemüht wird, war keine Rede, der Dissens wurde offen benannt. „Grund sind unterschiedliche Auffassungen über die Führung der amerikanischen Beteiligungen“, hieß es in der knappen Erklärung. Vorstandschef Thomas Stein, der als Juror von „Deutschland sucht den Superstar“ berühmt wurde, übernehme nun kommissarisch auch das Finanzressort.

An der Börse löste die Nachricht Euphorie aus. Die Aktie legte bei regem Handel zeitweise um 29 Prozent auf 4,71 Euro zu und schloss mit 4,65 Euro. Jack White selbst, der die Firma 1999 an die Börse gebracht hatte, zeigte sich zerrissen. Schon am Samstag, seinem 66. Geburtstag, gab es intern offenbar nur noch ein Thema. „Das war nicht einer meiner schönsten Geburtstage“, sagte er dem Tagesspiegel. Dennoch trage er die Entscheidung des Aufsichtsrats mit, seinen Sohn zu schassen. „Über allem steht ja immer das Wohl der Company.“ Er unterstütze den Kurs von Stein und bleibe an dessen Seite im nun zweiköpfigen Vorstand. „Der krempelt unser Unternehmen im positiven Sinne um. Wir machen beide das, was wir am besten können: Er lenkt und leitet das Unternehmen, ich konzentriere mich auf meine Musik.“ Das Verhältnis zu seinem Sohn sei weiterhin gut, sagte White. „Natürlich – Blut ist dicker als Wasser.“

Das Geschäft in den USA hat Probleme verursacht. Vor allem wegen der dort gesunkenen Nachfrage nach Latin Music hat sich der Umsatz im ersten Halbjahr auf 6,2 Millionen Euro halbiert, wie vergangene Woche mitgeteilt worden war. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen einen Fehlbetrag von einer halben Million Euro nach einem Überschuss von 1,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr des Vorjahres. Und die Gewinnziele für das laufende Jahr werde man nicht erreichen, fügte man noch hinzu – die Börse strafte das vergangene Woche mit einem Minus von rund 30 Prozent ab.

Nach diesem Umsatz- und Gewinneinbruch wolle man sich nun auf Produktionen im deutschsprachigen Raum konzentrieren, hieß es vorige Woche. Das ist offenbar die Ansage von Stein – der frühere Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG wollte sich bis Redaktionsschluss nicht weiter äußern.

Jack White zeigte sich betont zuversichtlich. In einem Jahr werde das Unternehmen einen „wesentlich größeren Marktanteil“ haben und wieder Gewinne erwirtschaften. Er mache sich um den Wert seiner Beteiligung keine Sorgen. Erst Ende Juni hatte er 100 000 Aktien gekauft und damit seinen Anteil versechsfacht. Nach eigenen Angaben zahlte er 6,50 Euro pro Aktie, also rund 200 000 Euro mehr als der Verkauf am Montag gebracht hätte. Seine Losung: „Ich weiß, dass ich à la longue reich bin.“

Die Firma hofft vor allem mit dem neuen Schlageralbum „Meine Berge, meine Heimat” mit Hansi Hinterseer auf hohe Verkaufszahlen. Auch die erste gemeinsame Produktion mit Neuverpflichtung Heino und das neue Album der deutschen Hiphop-Band „Die Firma“ soll Erfolge bringen.

Jack White Productions vermarktet die Rechte an mehr als 100 000 Musiktiteln, unter anderem an Stücken von Jimi Hendrix und den „Gipsy Kings“. Zudem produziert und veröffentlicht die Firma Musikaufnahmen. Nach eigenen Angaben ist sie damit einer der größten unabhängigen Musiklizenzrechteinhaber, die es auf der Welt gibt.

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