Wirtschaft : Fantasie auf dem Bankenmarkt

Unicredito und Hypo-Vereinsbank vor dem Zusammenschluss/Preis noch offen

H.Mortsiefer/R.Obertreis

Berlin/Frankfurt am Main - Die italienische Großbank Unicredito und die Hypo-Vereinsbank (HVB) haben ihren Zusammenschluss – mit Ausnahme einiger Details – vereinbart. Dies verlautete am Samstag aus Finanzkreisen. Dem Vernehmen nach soll die Fusion an diesem Sonntag bekannt gegeben werden. Die beiden Banken werden zusammen etwa 127000 Menschen beschäftigen und zu den zehn größten Geldhäusern Europas gehören. Zu erwarten ist, dass nach der Fusion bis zu 10000 Stellen abgebaut werden – vor allem in Osteuropa und Deutschland. Nach Meinung von Experten sind weitere Zusammenschlüsse auf dem Bankenmarkt zu erwarten.

„Die Branche wird wachgerüttelt“, sagte Guido Hoymann, Branchenanalyst beim Bankhaus Metzler, dem Tagesspiegel am Sonntag. „Für ausländische Banken wird es wieder salonfähig, nach Übernahmen in Deutschland Ausschau zu halten, zumal sie viel Geld in der Kasse haben.“ So könne etwa die Commerzbank das nächste Ziel sein. Ähnlich beurteilt Mark Wahrenburg, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Frankfurt, die Lage. Deutschland sei derzeit für Investoren so preiswert wie kein anderes Land in Europa. Das biete beste Aussichten für Gewinne, zumal die Sparmaßnahmen der deutschen Banken jetzt Wirkung zeigten. „Mit Blick auf die Kosten bewegen sich die Institute nicht nur auf europäischem Niveau, in punkto Kosteneffizienz liegen sie sogar in der Führungsgruppe“, sagte Wahrenburg dieser Zeitung.

„Natürlich machen sich die Beschäftigten Gedanken“, kommentierte ein Commerzbank-Sprecher Spekulationen um sein Haus. „Aber das ist nichts Neues. Wir gelten seit zehn Jahren als Übernahmekandidat.“ Vorstandschef Klaus-Peter Müller hält die Bank für stark genug, um eigene Wege zu gehen.

Die Tage der Selbstständigkeit der Hypo-Vereinsbank dürften von diesem Sonntag an gezählt sein. Die Aufsichtsgremien beider Banken wollen im Tagesverlauf zu Beratungen zusammenkommen. Offen sind dem Vernehmen nach noch Personalfragen und die Höhe des Preises. Unicredito wolle die geschätzten gut 16 Milliarden Euro weiterhin nur mit eigenen Aktien zahlen, verlautete aus Verhandlungskreisen. Das Umtauschverhältnis soll bei etwa fünf Unicredito-Aktien je HVB-Anteilsschein liegen.

Aktionärsvertreter forderten am Samstag eine faire Bewertung. „Wir werden sehr genau darauf achten, dass die Vermögenswerte der HVB-Aktionäre bewahrt bleiben“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dem Tagesspiegel. Die Übernahme der HVB sei auch eine Folge von Managementfehlern: „Nachdem der Vorstand immer wieder seine Prognosen nicht einhalten konnte, hat er endlich erkannt, dass die Selbstständigkeit der Bank aufgegeben werden muss“, sagte Hocker.

Auch andere deutsche Geldhäuser stehen nach Ansicht von Mark Wahrenburg trotz wirksamer Kostendämpfung unter Druck. „Die Institute haben vor allem ein Ertrags- und Renditeproblem.“ Das gelte verstärkt auch für die Sparkassen, die den deutschen Bankenmarkt dominieren – und wegen ihrer starken öffentlich-rechtlichen Stellung eine Konsolidierung blockieren, wie Kritiker meinen.

Die Bayerische Landesbank rechnet sich unterdessen Vorteile nach der Fusion von Unicredito und HVB aus. „Unser Marktanteil wird weiter steigen, da viele HVB-Kunden verunsichert sind und nicht bei einer italienischen Bank geführt werden wollen“, sagte BayernLB-Chef Werber Schmidt der „Welt am Sonntag“.

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