Wirtschaft : Fantasie für den Dax

BERLIN (val).In die letzte Novemberwoche ist der deutsche Aktienmarkt dynamisch gestartet.Beflügelt wurde die Börse von historischen Höchstkursen an der Wall Street, einem Dollar über 1,70 DM und möglichen neuen Mega-Fusionen.Nachdem sich auch die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten etwas gelegt haben, sind die Aktionäre zuversichtlicher geworden: Mit Kursgewinnen von rund zehn Prozent allein im November konnten sie einen Großteil der vorangegangenen Verluste aufholen.Dennoch: Im Gegensatz zur Wall Street liegen die Notierungen immer noch gut 20 Prozent unter dem bisherigen Jahreshoch von Mitte Juli.

Doch es gibt noch keinen Grund zur Euphorie.Die Asienkrise hat in den Bilanzen der deutschen Unternehmen ihre Spuren hinterlassen, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober zeigt.Möglicherweise wird ein sinkender Dollar zudem die Exportindustrie belasten.Die Commerzbank erwartet, daß der Greenback wegen des hohen US-Leistungsbilanzdefizits und einer weiteren Verringerung des amerikanischen Zinsvorteils gegenüber Europa unter 1,60 DM sinken wird.Positive Impulse gehen aber von dem unveränderten Zinsniveau und der anhaltenden Fusions-Fantasie aus.

Christian Stocker, Analyst der HypoVereinsbank, geht rechnet deswegen damit, daß der Dax die 5200-Punkte-Grenze in dieser Woche auf jeden Fall erreichen wird."Dann allerdings haben wir eine überkaufte Situation", sagt er.Anlegern empfiehlt Stocker Autopapiere.Eine BMW-Aktie zum Beispiel könne auf 1500 DM klettern.

Die Begeisterung der Analysten für Handels- und Konsumaktien kann Stocker nicht teilen."Diese sogenannte Weihnachtsfantasie hat sich in den vergangenen zehn Jahren bei den deutschen Konsum- und Handelsaktien nie bewahrheitet", sagt er.Demgegenüber empfiehlt Karl-Dietrich Gräf, Analyst der Commerzbank, Douglas-Titel."Das ist eine richtige Aktie zum ersten Advent", sagt Gräf, zumal Douglas traditionell zur Weihnachtszeit besonders gute Geschäfte mache.Außerdem seien Papiere der Dresdner Bank attraktiv.Schering-Titel empfiehlt Gräf zu verkaufen.Mögliche Aktienrückkäufe seien schon in den Kursen berücksichtigt, ebenso die Tatsache, daß auch Schering von der möglichen Fusion zwischen Rhône-Poulenc und Hoechst betroffen ist, weil Schering und Hoechst beide an dem Unternehmen Agrevo beteiligt sind.

Anleger, die über Verkäufe nachdenken, sollten nicht zulange zögern: Am 18.Dezember soll der Bundesrat die Verlängerung der Spekulationsfrist auf ein Jahr beschließen.

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