Wirtschaft : Fast alle Fondsgesellschaften bieten Produkte an - Investment bleibt spekulativ

Veronika Czisi

Biotech - für viele ist dies der Stoff, aus dem Aktionärsträume sind. Circa 1000 Firmen forschen derzeit rund um den Globus fieberhaft nach Substanzen und Medikamenten gegen unheilbare Krankheiten wie Krebs, Aids oder Alzheimer. Wenn es in naher Zukunft Heilmittel geben könnte, so sagen Experten, dann kommen sie aus den Labors der Biotech-Firmen. 200 gentechnisch hergestellte Medikamente sollen in den nächsten zwei Jahren auf den Markt kommen: Hoffnung für Patienten und für Aktionäre. Doch nur wenige Anleger sind ausgebildete Biochemiker. Was in den Labors genau passiert, weiß kaum jemand. Wer die Chancen mitnehmen und das Risiko begrenzen will, investiert in einen Fonds.

Fast alle Investment-Gesellschaften sind, dem regen Anlegerinteresse folgend, inzwischen mit Biotech-Fonds auf dem Markt. Der Anleger hat die Qual der Wahl - zwischen reinrassigen Biotech-Produkten mit höheren Chancen, aber auch höherem Risiko und Fonds, die auch defensive Werte wie große Pharma- oder Medizintechniktitel beimischen. Zur ersten Gruppe gehören etwa der DWS Biotech Aktien Typ 0 (WKN 976997), der Pictet GSF Biotech (988562) oder der Biotech-Fonds der kleinen bayerischen Fondsgesellschaft Lacuna (989696).

Michael Fischer, Berater des DG Lux Lacuna Biotech, setzt vor allem auf sogenannte Mid-caps, also kleinere Werte wie Cyberonics, Vertex, Gliatech oder Enzon. Anders als bei den marktschweren Papieren, wo die Chancen schon abgefrühstückt seien, sieht er hier "eine viel spannendere Story". Deutsche Biotechs hat Fischer nicht im Portfolio: "Gemessen an ihrer Größe sind die einfach zu teuer." An Neuemissionen vom Neuen Markt beteiligt sich der Fonds schon mal, verkauft dann aber schnell wieder. Der Erfolg gibt Fischer recht: Mit knapp 40 Prozent Plus seit Jahresbeginn gehört der DG Lux Lacuna Biotech zu den erfolgreichsten auf dem Markt. Der Erfolg hat jedoch seinen Preis: Neben einem Ausgabeaufschlag von 5,26 Prozent muß der Anleger eine Leistungsprämie von zehn Prozent berappen, die im Kurs allerdings schon berücksichtigt ist.

Eine völlig andere Stragegie verfolgt der DIT-Biotechnologie (848186), der seit Januar knapp 20 Prozent zugelegt hat. Fondsmanagerin Nicole Körtge hat einen Großteil des Fondsvolumens von rund zwei Milliarden Euro in Pharmawerten und "den großen Dinosauriern wie Amgen oder Medimmune" investiert. Der Fonds schwankt weniger, verzichtet aber auch auf große Performancesprünge und eignet sich damit eher für sensible Naturen. Mit einem Einstieg, sagt Körtge, könne man sich aber ruhig Zeit lassen. Sie rechne bis zum Ende des Sommers mit einer volatilen Seitswärtsbewegung, ist mittelfristig gleichwohl "sehr zuversichtlich für die Biotechs". Eine eher konservative Ausrichtung mit einem Biotech-Anteil, der auch mal unter 30 Prozent liegen kann, haben der Activest BioPharma der HypoVereinsbank (977972), der BfG Garant Biotech (935580) oder der UniSector: BioPharma (921556).

Gerade neu in Deutschland zugelassen ist der H & A Dac Biotech (933803), der mit 18 Prozent des Fondsvermögens deutlich stärker in deutschen Papieren investiert ist als die Konkurrenz. Neben Morphosys hält der Fonds aktuell eine große Position in der Berliner Schering AG sowie in Kretztechnik. Andere große Positionen sind Alkermes und Vertex. André Fischer, der den Fonds gemeinsam mit dem Fondsberater Bernd Förtsch managt, ist euphorisch. Der Biotech-Index habe sich seit 1992 "nur verdoppelt", das seien "Kinkerlitzchen im Vergleich zu anderen Hochtechnologie-Branchen". Bis Jahresende sei da "noch viel drin".

Trotzdem: Dass ein Investment in Biotech-Fonds hochspekulativ bleibt, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Zwischen November 1999 und März 2000 legte der Nasdaq Biotech Index um 160 Prozent zu. Am 14. März löste die Bemerkung von US-Präsident Clinton, die Erkenntnisse über die Entschlüsselung der menschlichen Gene müssten kostenlos veröffentlicht werden, den Crash aus. Einzelne Werte verloren bis zu 80 Prozent.

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