Wirtschaft : Fast jeder Zweite für Firmentarifverträge

DÜSSELDORF (wmu/HB).Deutschlands Arbeitnehmer stehen in ihrer Mehrheit einer Flexibilisierung der Tarifpolitik aufgeschlossen gegenüber.Zu diesem Schluß kommt eine Studie des Forschungsinstituts für Ordnungspolitik (FiO) in Köln.Danach plädieren 48,5 Prozent der Bundesbürger dafür, daß die Arbeitsbedingungen stärker in den einzelnen Betrieben, also in Form von Firmentarifverträgen, geregelt werden sollen.Außerdem vertreten 53,8 Prozent der Befragten die Meinung, daß die Lohnzuwächse teilweise von der Gewinnsituation der Unternehmen abhängig zu machen seien.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer größeren repräsentativen Umfrage ermittelt, in der das "Reformklima" in der Bevölkerung und die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft untersucht wird.Das Institut geht in seiner Analyse von der Überlegung aus, daß nur eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts einen spürbaren Abbau der Arbeitslosigkeit bewirken könne.So sei etwa ein für alle Unternehmen einer Branche einheitliches Tarifsystem nicht mehr zeitgemäß.Dies sehe ein beträchtlicher Teil der Bevöllkerung genauso: Im Gegensatz zu den Gewerkschaften sei die Bevölkerung für eine Reform der bisherigen starren Regelung offen.Die Gewerkschaften vertreten dagegen die Ansicht, daß bereits heute ausreichend Differenzierungsspielräume in den Tarifverträgen vorhanden sind.

Die Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, daß die Arbeitnehmer zwar eindeutig für eine Lockerung des Flächentarifvertrags, nicht aber für seine Abschaffung plädieren.84,2 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, daß die einzelnen Betriebe die Möglichkeit haben müßten, auf veränderte Anforderungen mit eigenen Arbeitsbedingungen zu reagieren.68,1 Prozent waren der Meinung, daß man als Arbeitnehmer die eigenen Arbeitsbedingungen wie Lohnhöhe und Arbeitszeiten mehr als bisher selbst mit dem Arbeitgeber aushandeln sollte.Gleichzeitig wollen aber 86,3 Prozent der Befragten die sich aus dem Flächentarif ergebenden Vorteile, wie etwa mehr Sicherheit, nicht aufgeben.Nicht ohne Widersprüche sind auch die Aussagen über die Ertragsorientierung von Lohnzuwächsen.79,8 Prozent der Befragten sagten aus, Unternehmen müßten die Möglichkeit haben, die Lohnsteigerungen an die Ertragslage anzupassen.Fast genauso viele, nämlich 74,6 Prozent, meinten dagegen, den Arbeitnehmern seien feste, ertragsunabhängige Lohnsteigerungen einzuräumen, damit sie ihre Zukunft sicher planen können.Dennoch zeigt sich nach Auffassung des Instituts eine deutliche Bereitschaft der Bevölkerung, eine flexiblere Organisation der Arbeitsbedingungen auf Betriebsebene mitzutragen.

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