Wirtschaft : Fastenzeit mit Schwiegereltern

Tewe Pannier

In der dritten Woche des Ramadan lädt mich Karim, mein fastender Geschäftspartner, zum „Iftar“ zu sich nach Hause ein. Wie jeden Abend im heiligen Monat feiert die ganze Familie das Fastenbrechen. Wann ich da sein soll, frage ich. Karim guckt zur Antwort auf die Titelseite der Zeitung, dort ist wie jeden Tag die wechselnde, offizielle Iftar-Zeit abgedruckt. „Bitte komme vor 18.13 Uhr.“

Um 18.03 Uhr hat sich Karims Familie bereits um den Tisch im Esszimmer versammelt. Die drei Kinder, seine Frau, sein Bruder. Und die Schwiegereltern. Schwiegerpapa am Kopfende, als sei er hier zu Hause. „Sie bleiben den ganzen Ramadan bei uns“, hatte mir Karim vor einigen Tagen erzählt. Sein gequältes Lächeln dabei hatte nichts mit seinen Entbehrungen des Fastens zu tun. Um 18.09 kommen zwei Dienstmädchen – eine von den Philippinen, eine aus dem Sudan – aus der Küche. Sie stellen Teller mit Datteln auf den Tisch. „Ihr habt zwei Dienstmädchen?“, frage ich Karim. Schon wieder das gequälte Lächeln: „Nein, nur eines. Das andere arbeitet für meine Schwiegereltern und wohnt den ganzen Ramadan bei uns ...“

In der Ecke läuft der Fernseher. Im Raum herrscht Unruhe. Der Bruder steht noch schnell auf, um das Handy abzuschalten. Schwiegermutter ruft der Sudanesin etwas zu. Die Mutter gibt einem der Kinder einen Klaps auf die Finger, die sich nach den Datteln lang gemacht hatten. Überhaupt, die Datteln: Immer wieder gucken alle die Datteln an. Um 18.13 Uhr ruft ein unsichtbarer Muezzin aus dem Fernsehgerät den Iftar aus. Blitzschnell nimmt sich jeder eine Dattel. Nur fünf Minuten später, nach einem Dutzend Gängen der beiden Dienstmädchen zur Küche und zurück ist kein freier Platz mehr auf dem Tisch: Schüsseln mit Gemüse stehen jetzt da, Platten mit Fisch und Fleisch, gefüllte Weinblätter, Hühnerleber in Knoblauch, gebackener Käse, gewürzte Kartoffeln, Brot und Früchte.

Eine Stunde später bei Tee und Mokka sitzt Schwiegerpapa dösig im größten Sessel und sagt: „Ach, es ist so schön bei euch. Ich glaube, wir bleiben noch die Woche nach dem Ramadan.“ Karim lächelt gequält.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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