Wirtschaft : Faule Kredite belasten griechische Banken Hohe Abschreibungen auf ausgefallene Darlehen

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Athen - Die griechischen Geschäftsbanken haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Und 2011 dürfte noch härter werden. Zu den ernsten Liquiditätsproblemen, die unmittelbar mit der staatlichen Schuldenkrise zusammenhängen, kommt jetzt eine rapide Zunahme der notleidenden Kredite. Weil immer mehr griechische Verbraucher und Unternehmen ihre Darlehen nicht mehr bedienen können, müssen die Banken immer höhere Abschreibungen vornehmen. Die Qualität der Kreditbücher dürfte sich in diesem Jahr weiter verschlechtern.

Die National Bank of Greece (NBG), das größte Kreditinstitut des Landes, meldete diese Woche zwar für 2010 einen Gewinn von 406 Millionen Euro. Das waren allerdings 56 Prozent weniger als im Vorjahr. Überdies gehen die schwarzen Zahlen ausschließlich auf das Konto des Auslandsgeschäfts. So überwies die türkische Tochter der NBG, die Istanbuler Finansbank, einen Gewinn von 462 Millionen Euro nach Athen. Auf dem Heimatmarkt dagegen verzeichnete Griechenlands größte Bank einen Verlust von 136 Millionen Euro. Der Hauptgrund: Abschreibungen für Kreditausfälle. Sie haben sich 2010 gegenüber dem Vorjahr von 602 Millionen auf 1,36 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Ähnlich das Bild bei den anderen großen Banken: Der Branchenzweite, die EFG Eurobank, verzeichnete einen Gewinnrückgang um 69 Prozent, bei der Alpha Bank brach der Überschuss um 76 Prozent ein und die Piraeus Bank rutschte sogar mit 20 Millionen Euro ins Minus. In allen Fällen sind hohe Abschreibungen für faule Kredite der Hauptgrund für den Gewinnrückgang.

Ende des dritten Quartals 2010 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – waren im Branchenschnitt bereits zehn Prozent der Darlehen notleidend, das heißt, sie wurden über ein Quartal oder länger nicht mehr bedient. Bei den Verbraucherkrediten betrug die Quote fast 17 Prozent. Unter dem Strich erreichten die notleidenden Kredite ein Volumen von 26 Milliarden Euro. Experten erwarten, dass die Quote im Laufe dieses Jahres 13 Prozent erreichen wird und auch im ersten Halbjahr 2012 weiter ansteigen dürfte.

Verschärft wird die Situation durch rückläufige Einlagen. Im vergangenen Jahr flossen rund 30 Milliarden Euro von griechischen Bankkonten ab. Der Rückgang geht teils auf das Konto der Kapitalflucht: Ängstliche Anleger schafften Geld aus Furcht vor einem drohenden Staatsbankrott ins Ausland. Aber auch die Rezession, die Griechenlands Wirtschaft im vierten Quartal 2010 um dramatische 6,6 Prozent einbrechen ließ und die Arbeitslosenquote inzwischen auf 15 Prozent getrieben hat, zwingt viele Griechen dazu, ihre Ersparnisse anzugreifen.

Die Kreditwürdigkeit der Banken hängt unmittelbar an der Bonität des griechischen Staates, dessen Anleihen wegen der Schuldenkrise inzwischen nur noch auf Ramschniveau bewertet werden. Das gilt auch für die Anleihen griechischer Banken. Anfang März stufte die Ratingagentur Moody’s die Bonität sechs griechischer Kreditinstitute erneut zurück und stellte zugleich eine weitere Verschlechterung der Note in Aussicht. Auf dem Interbankenmarkt können sich griechische Institute kaum noch Geld zu vertretbaren Konditionen besorgen. Sie sind zur Refinanzierung fast vollständig auf die Europäische Zentralbank (EZB) angewiesen. Dort stehen die griechischen Banken inzwischen mit fast 100 Milliarden Euro in der Kreide. Gerd Höhler

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