FC Bayern : Konzerne stützen Hoeneß

Aktionäre und Sponsoren des FC Bayern geben dem Aufsichtsratschef Uli Hoeneß trotz seiner Steueraffäre Rückendeckung. Experten warnen vor einem Imageschaden für die Konzerne.

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Selbst angezeigt. Uli Hoeneß muss mit einer Anklage rechnen, kann aber auf ein mildes Urteil hoffen.
Selbst angezeigt. Uli Hoeneß muss mit einer Anklage rechnen, kann aber auf ein mildes Urteil hoffen.Foto: dpa

Anteilseigner und Sponsoren des FC Bayern geben dem umstrittenen Aufsichtsratschef Uli Hoeneß Rückendeckung. Auch im Fall einer Anklage wegen Steuerhinterziehung könne Hoeneß sein Amt bei dem Fußballclub behalten, sagte Adidas-Chef Herbert Hainer am Montag in einem Interview. Adidas ist mit 9,1 Prozent an der FC Bayern AG beteiligt und Hauptsponsor des Vereins. „Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für die Position gibt“, sagte er dem Magazin „Focus“. Adidas hatte bisher seine Unterstützung für Hoeneß an die Wirksamkeit von dessen Selbstanzeige gekoppelt.

„Wir trennen zwischen der Person Hoeneß und unserem Engagement als Sponsor des FC Bayern“, bekräftigte ein Sprecher der Deutschen Telekom am Montag die Position des Konzerns. Audi – ebenfalls mit 9,1 Prozent am FC Bayern beteiligt – teilte auf Nachfrage lediglich mit, man wolle „über die weitere Entwicklung im Fall Hoeneß nicht spekulieren“. Im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzt unter anderem auch Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Audi-Konzernmutter Volkswagen.

Experten für die Regeln guter Unternehmensführung kritisierten die Haltung der Unternehmen scharf und warnten vor negativen wirtschaftlichen Konsequenzen. „Das ist ein grober Verstoß gegen alle Regeln des Aufsichtsrats“, kommentierte Manuel René Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die Interview-Äußerung des Adidas- Chefs. Herbert Hainer vertrete nicht die Meinung des Bayern-Aufsichtsgremiums, sondern äußere sich quasi privat. Hoeneß sei schon wegen seiner Selbstanzeige „als Aufsichtsrat des FC Bayern nicht mehr haltbar“, sagte Theisen dem Tagesspiegel. Uli Hoeneß hatte sich im Januar selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt. Er führte jahrelang ein Konto in der Schweiz und hinterzog die darauf in Deutschland fälligen Steuern.

Komme es zur Anklage und zu einem Urteil, sei einerlei, ob Hoeneß nur privat Steuern hinterzogen habe, sagte Theisen. „Keiner der Anteilseigner und Sponsoren würde jemanden im eigenen Aufsichtsrat dulden, der privat Steuern hinterzogen hat.“ Der Verein und seine Unterstützer argumentieren, die Steueraffäre Hoeneß müsse isoliert vom Unternehmen FC Bayern betrachtet werden. „Dies ist eine künstliche Trennung“, sagte Theisen. Werde Hoeneß verurteilt, müsse die Wirtschaft „eine unternehmerisch höchst brisante Entscheidung“ für oder gegen den Bayern-Aufsichtsratschef und -Präsidenten treffen. „Der Schaden für die Unternehmen wird noch kommen.“

Die börsennotierten Bayern-Unterstützer Adidas, Telekom und VW/Audi haben sich strenge Regeln für eine rechtlich saubere Unternehmensführung (Compliance) gegeben (Paragraf 93 Aktiengesetz). Darin verpflichten sie sich zu Sorgfaltspflichten und Verantwortlichkeit, um Interessenkonflikte etwa zum Nachteil ihrer Anteilseigner zu vermeiden.

Wie auch immer die Gerichte im Fall Hoeneß am Ende entschieden, sei der Umgang der Wirtschaft mit dessen Steuerhinterziehung höchst problematisch, meint Henning Herzog, Vorstand des Bundesverbands Compliance und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Quadriga-Hochschule Berlin. „Es ist fraglich, ob die Unternehmen ausländischen Kapitalgebern noch glaubhaft erklären können, dass sie Aufsicht und Regulation wirklich ernst nehmen, wenn sie den Fall Hoeneß so behandeln.“

Der „Spiegel“ hatte am Wochenende berichtet, Hoeneß könne mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, weil sein Steuervergehen zum Teil verjährt sei. Weil die Selbstanzeige womöglich nicht vollständig war, leitete die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen gegen den Fußballfunktionär ein. Medienberichten zufolge soll in den kommenden Wochen über eine Anklage gegen Hoeneß entschieden werden.

„Selbst wenn es zu einem Deal mit dem Gericht kommt, ist Hoeneß verurteilt“, sagte Henning Herzog. „Es geht um ein Wirtschaftsdelikt. Hoeneß ist heute schon als Vorsitzender eines Aufsichtsrats nicht zu halten.“

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