Wirtschaft : FC Bayern verschiebt den Börsengang

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Fußballfans unter den Anlegern müssen bis mindestens 2005 auf einen Börsengang der Bayern München AG warten. Erst werde das neue Stadion gebaut, das zusätzliche Einkommensquellen erschließe, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß am Donnerstagabend vor Journalisten in München. Die neue Arena, deren Namensrechte vor kurzem an den Versicherungskonzern Allianz verkauft wurden, soll bis Mitte 2005 stehen. Auch dann sieht Hoeneß aber keine Eile. "Wenn wir es machen, dann nicht unter Druck," sagte er zu einem möglichen Gang aufs Parkett.

Einen finanziellen Zwang dazu sieht er angesichts von zuletzt 184 Millionen Euro Umsatz und gut 28 Millionen Euro Nachsteuergewinn nicht. Die nächsten fünf bis sechs Jahre werde Bayern keine finanziellen Probleme haben, "egal, was passiert", schätzte der Manager. Mit 15 Prozent Umsatzrendite seien sie eines der profitabelsten Unternehmen Deutschlands überhaupt. Der gut 280 Millionen Euro teuere Stadionneubau sei jedenfalls ohne Börsengang finanzierbar. Dazu hat der FC Bayern gerade ein Zehntel seiner Anteile an seinen langjährigen Ausrüster und Geschäftspartner Adidas- Salomon AG, Herzogenaurach, für 75 Millionen Euro verkauft.

Mitfinanziert wird das Stadion durch den zweiten Münchner Fußballclub 1860, die Allianz und Kredite. Die zu bekommen, sei für Bayern kein Problem, sagte Hoeneß, der den Wert seines Clubs auf rund 750 Millionen Euro bezifferte. Für einen Börsengang müsse die Braut schöner gemacht werden. Dazu zählt der Manager eine Abrundung der jetzigen Sponsorenpalette (siehe Lexikon, Seite 18). Vor kurzem haben die Münchner ihren Hauptgeldgeber gewechselt. Kommende Saison laufen sie nach dem kurzfristigen Ausstieg von Opel mit Trikots der Deutschen Telekom auf. Bei der Auswahl von Sponsoren sei man erst auf halbem Weg, sagte der Manager und deutete neue Verträge mit Branchengrößen aus den Bereichen Automobilindustrie und Energiewirtschaft an.

Grundsätzlich unvereinbar sieht Hoeneß das Fußball- und Börsengeschäft trotz mäßiger Erfolge vieler börsennotierter Clubs nicht. Siege auf dem Rasen seien nicht mehr und nicht weniger kalkulierbar wie etwa ein Verkaufserfolg des neuen 7er-BMW. Am besten wäre es für Aktionäre ohnehin, wenn der Verein nur Vizemeister werde. Denn dann spare sich die AG teuere Prämien und der Club sei trotzdem am lukrativen Geschäft der Champions League beteiligt.

Optimistisch ist der Bayern-Manager auch hinsichtlich der Finanzkrise der Kirch- Gruppe. "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass sich das Problem zumindest für die Bundesliga in Wohlgefallen auflöst." Der Medienkonzern Kirch hat bis 2004 die TV-Rechte für die Fußballbundesliga erworben und muss dafür jährlich gut 380 Millionen Euro zahlen.

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