Wirtschaft : FC Bologna will in Italien Zeichen setzen

GIDEON LEON (rtr)

Gang an die Börse geplant / Umbau des Stadions und umfangreiches VeranstaltungsprogrammVON GIDEON LEON (rtr) BOLOGNA.Der italienische Fußballverein FC Bologna will den Agnellis und Berlusconis im italienischen Fußball mit seinem für Mitte Mai geplanten Börsengang eine Lehre erteilen."In Italien wird der Fußball von einer Reihe großzügiger, doch eher einfältiger Präsidenten bestimmt, die ihr Geld in die Vereine pumpen und letztlich den Verein durcheinander bringen", sagt Bologna-Präsident Giuseppe Gazzoni.Es sei an der Zeit für neue Spielregeln, und der Börsengang des Vereins gebe einen Rahmen, in dem der Verein vernünftig wirtschaften könne, fügt er hinzu.Der Fußball sei jedoch zu unberechenbar, um das einzige Standbein einer Aktiengesellschaft zu sein.Daher setzt Präsident Gazzoni auf den Umbau des Stadions zu einem Freizeitpark und auf die Vermarktung des Vereinssymbols auf Tassen, Postern und Bettbezügen.Der englische Fußballmeister Manchester United soll als Vorbild dienen.Der Traditionsverein feiert seit dem Gang an die Börse große Erfolge auf dem Spielfeld und macht in seinem Stadionkomplex Old Trafford und vielen andereren Fanshops enorme Umsätze mit den Fanartikeln.Wenn auch der FC Bologna nicht über ein vereinseigenes Stadion verfügt, so hält er doch einen Pachtvertrag über 30 Jahre für das Stadion, das sich in städtischem Eigentum befindet.Bisher hatte die italienische Börsenaufsicht Consob italienischen Vereinen den Börsengang schwer gemacht.Ein emissionswilliger Klub mußte drei Jahre mit Gewinn in Folge nachweisen, um an der Mailänder Börse zugelassen zu werden.Seit Ende des vergangenen Jahres müssen nur noch die Geschäftsbücher offengelegt werden.Gazzoni sagt, daß die großen italienischen Vereine AC Mailand und Inter Mailand die Schritte Bolognas interessiert beobachteten.Auch Lazio Rom plant die Ausgabe eigener Aktien ungefähr zur selben Zeit wie Bologna.Um als Aktiengesellschaft bestehen zu können, soll das Stadion nun ausgebaut werden.Restaurants, ein Kino und Souvenirshops sollen kommen, und zudem will Bologna das große Hinterland des Vereins besser erschließen.Die reichen Dörfer in der landwirtschaftlich geprägten Ebene Reggio-Emilia sollen Fanshops erhalten.Zudem plant Gazzoni Sommerveranstalten zur Fußball-freien Zeit.Opern, Popkonzerte und sogar Windsurfen steht auf seinem - noch imaginären - Veranstaltungsprogramm für diese Zeit."Wir haben jede Menge Wohlstand in unserem Stadion, der bisher keinen Ausdruck fand", begründet Gazzoni seine Pläne.Auch die Zeit der ganz großen Spielerkäufe sollte nach Einschätzung von Gazzoni ein Ende finden.Die Vereine könnten sich an Juventus ein Beispiel nehmen: Der Fußballklub aus Turin habe Spieler verkauft, Geld gemacht - und gewinne immer noch die Meisterschaft.Eher lohnten sich strategische Einkäufe wie der von Roberto Baggio, sagt Gazzoni.Der Weltmeisterschafts-Star Baggio kam zum Saisonbeginn für umgerechnet knapp 5 Mill.DM vom AC Mailand zu Bologna, im heutigen Fußball ein eher günstiger Neuzugang.Dennoch habe Baggio dem Verein einen deutlichen Wertzuwachs gebracht, denn der extravagante Star sei selbst schon ein Markenname, der auch internationale Fernsehsender an den Klub heranbringe.

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