Wirtschaft : FDP will neue Anlageform für Immobilien

Anhörung der Bundestagsfraktion

Ralf Schönball

Berlin - Der Siegeszug der so genannten Reits, einer neuen Form von Immobilien-Aktiengesellschaften, ist nach Ansicht von Branchen- und Finanzmarktexperten nicht aufzuhalten. Das ist jedenfalls das Resümee einer Anhörung im Jakob-Kaiser-Haus, mit der die FDP-Bundestagsfraktion am Donnerstag der „erheblich hakenden Debatte“ um die Reits wieder Auftrieb geben wollte. Reits gibt es in Frankreich und bald auch in Großbritannien. In Deutschland steht die Einführung im Koalitionsvertrag von SPD und CDU. Doch ein Teil der SPD-Parlamentarier ist davon abgerückt.

Sollten die Reits kommen, dann ist es Unternehmen möglich, Immobilien steuervergünstigt in diese neuen Gesellschaften zu überführen. Das wird nach Auffassung des Chefs der größten deutschen Immobilien-Aktiengesellschaft IVG, John Eckart von Freyend, „erhebliche Dynamik“ in den Markt bringen. Denn bisher werden Immobilien nur deshalb selten aus den stillen Reserven der Konzerne gehoben, weil die meisten Objekte bereits abgeschrieben sind und der Ertrag bei einem Verkauf zum aktuellen Wert in voller Höhe versteuert werden müsste.

Da die Reits an den Börsen notiert werden, könnte es bereits im Jahr der Einführung zu einer neuen Kapitalisierung von über 50 Milliarden Euro kommen, sagte Detlev Dietz, Geschäftsführer der Commerzbank-Tochter CGI. Das überzeugte auch die FDP-Parlamentarier. Lehne man Reits ab, dann weiche dieses Kapital ins Ausland aus, zum Schaden des Finanzplatzes Deutschland, hieß es.

Ob die Reits in Deutschland kommen, bleibt aber ungewiss. Carl-Ludwig Thiele, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Steuern und Finanzen der FDP-Fraktion, warnte: „Für die SPD sitzen mit den Reits wieder die Heuschrecken vor dem Haus.“ Doch diese Annahme täusche: Denn die „Heuschrecken“, wie der frühere SPD-Chef Franz Müntefering die Finanzinvestoren genannt hatte, erwerben ohnehin deutsche Immobilien. Die Reits-Einführung erleichtert ihnen dieses Geschäft nicht.

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