Fehlerhafte EC-Karten : Banken müssen mit Millionenschaden rechnen

Die EC-Karten-Panne könnte einen dreistelligen Millionen-Betrag kosten, denn ein Austausch ist nicht unwahrscheinlich. Der Bund verlangt Entschädigung für die Kunden.

Seit Tagen ist es für Millionen Bankkunden nicht möglich, mit ihrer EC-Karte zu bezahlen. Dieser Fehler könnte für die Geldinstitute einem Bericht zufolge auch finanziell zur großen Belastung werden. Mehrere Beteiligte von Zahlungsverkehrsdienstleistern, Branchenverbänden und einzelnen Banken sagten laut Handelsblatt, dass mittlerweile zur Behebung der Panne auch ein Austausch von Karten diskutiert werde. Müssten die Institute alle rund 30 Millionen fehlerhaften Karten ersetzen, käme auf die deutschen Banken insgesamt schätzungsweise ein dreistelliger Millionenbetrag zu – möglicherweise mehr als eine Viertelmilliarde Euro.

Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) – die Dachorganisation der Branche, der derzeit vom Sparkassenverband gesteuert wird – habe entsprechende Überlegungen nicht dementiert. "Es werden momentan die langfristigen Optionen geprüft", sagte eine Sprecherin der Zeitung. Entscheidungen seien noch nicht gefallen. Grund für die drohenden Millionenlasten seien die weiter ungelösten Probleme bei Kartenzahlungen und -abhebungen im Ausland. Es sei bislang offen, ob sich diese ähnlich wie in Deutschland durch eine Umprogrammierung von Geldautomaten lösen lassen.

Inzwischen räumte der französische Technologiekonzern Gemalto auf Anfrage ein, fehlerhafte Karten ausgeliefert zu haben. "Auch bei unseren Karten ist das Problem aufgetreten", zitierte das Handelsblatt Marketing-Direktor Christoph Siegelin. Wie viele der 30 Millionen fehlerhaften Karten von Gemalto stammen, habe er offen gelassen. Auch zu möglichen Schadenersatzforderungen durch die deutsche Kreditwirtschaft machte er keine Angaben.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte am Dienstag in Berlin mitgeteilt, dass bei einem Drittel der deutschen Einzelhändler Karten wegen eines fehlerhaft programmierten Mikrochips nicht genutzt werden könnten. Bekannt wurde die Panne am 1. Januar. Die Chips verarbeiten die neue Jahreszahl 2010 nicht korrekt. Von den Einschränkungen betroffen sind nach Auskunft der Sparkassen- und Bankenverbände rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten. Bis kommenden Montag soll das Problem mit einer Software-Aktualisierung vollständig gelöst sein, kündigte der Verband an.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisierte die Geldinstitute wegen der anhaltenden Probleme. "Die Verantwortlichen müssen mehr Sorgfalt an den Tag legen, um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit von Bank- und Kreditkarten zu gewährleisten", sagte die CSU-Politikerin dem Tagesspiegel. Die Ministerin appellierte an die Institute, "unverzüglich dafür zu sorgen, dass Kredit- und Bankkarten wieder einwandfrei funktionieren oder ausgetauscht werden". Schließlich zahlten die Verbraucher für diesen Service. Wenn Kunden gezwungen seien, am Bankschalter Bargeld zu holen, dürften dafür keine Gebühren berechnet werden.

Unterdessen entschuldigten sich der DSGV und der Bankenverband (BdB) für die Unannehmlichkeiten. Vor großen Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Bargeld können Reisende im Ausland stehen. Denn in einigen Ländern dürfte es noch länger dauern, bis die Abhebung am Automaten wieder reibungslos läuft. Touristen wird empfohlen, vorsorglich Reiseschecks mitzunehmen. Ansonsten bestehe auch die Möglichkeit sich mittels einer Kreditkarte am Schalter einer Bank gegen Unterschrift und Vorlage eines Ausweises, Bargeld auszahlen zu lassen.

Aber auch im Inland waren am Dienstag noch Fälle bekannt geworden, in denen EC-Karten auch von Geldautomaten nicht akzeptiert wurden. Dabei wird nach Eingabe der Geheimnummer und des gewünschte Geldbetrages auf dem Bildschirm "Kartenfehler" angezeigt und die Karte wieder ausgegeben. Inzwischen sollen die Karten "an nahezu allen Geldautomaten" in Deutschland wieder akzeptiert werden.

Zuvor hatte der DSGV mitgeteilt, bei den Sparkassen seien bereits seit dem Wochenende alle 25.700 Geldautomaten wieder funktionstüchtig. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken sei nur ein Teil der EC-Karten, nicht aber die Kreditkarten von dem Fehler betroffen, hieß es beim Verband BVR.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben