Fehltage : Stress macht viele Arbeitnehmer krank

Wenig Mitarbeiter, mehr Aufgaben, Druck vom Chef: Viele Menschen in Deutschland halten den Stress im Job nicht mehr aus. Der Fehlzeiten-Report 2010 belegt einen Höchststand an psychischen Erkrankungen.

Arbeitnehmer in Deutschland fehlen einer Studie zufolge immer häufiger wegen psychischer Krankheiten. Im Jahr 2009 waren sie für 8,6 Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage verantwortlich, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage unter Versicherten der AOK hervorgeht. Im Jahr davor waren es 8,3 Prozent. Seit 1998 hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Leiden demnach sogar um 82,6 Prozent erhöht.

Die meisten Fehltage gingen allerdings im vergangenen Jahr auf das Konto von Muskel- und Skeletterkrankungen (23 Prozent). Es folgen Krankheiten der Atemwege (14 Prozent) und Verletzungen (12,3 Prozent). Psychische Erkrankungen folgen auf dem vierten Platz, gefolgt von Herz-Kreislaufleiden (6,8 Prozent).

Dabei sorgt eine psychische Krankheit im Schnitt für besonders viele Fehltage. Die Fehlzeit war mit im Schnitt 22,6 Tagen je Fall so lang wie bei keiner anderen Erkrankung. Bei Erkrankungen der Atemwege etwa fehlten die Betroffenen im Schnitt dagegen nur 6,5 Tage. Eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit dauerte 17,3 Tage.

"In den letzten Jahren nehmen psychische Erkrankungen kontinuierlich zu", erklärte Helmut Schröder, Mitherausgeber des Reports und stellvertretender Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Dieses hatte die Untersuchung, die auf den Fehlzeiten von 9,7 Millionen Versicherten beruht, zusammen mit Forschern der Universität Bielefeld ausgewertet.

Trotz der schweren Wirtschaftskrise des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Fehlzeiten der Studie zufolge leicht an. Betrug sie 2008 4,6 Prozent, waren es vergangenes Jahr 4,9 Prozent. Im Durchschnitt dauerte eine Fehlzeit 17,3 Tage. Das widerspreche Erfahrungen aus der Vergangenheit, als wirtschaftliche Krisen häufig einen sinkenden
Krankenstand mit sich brachten, weil die Beschäftigten sich aus Angst vor dem Job-Verlust oft auch krank zum Arbeitsplatz schleppten. (dpa/AFP)

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