Wirtschaft : Feiertagszuschlag für Fußballer

Ein neues Steuersparmodell macht in Bundesligaclubs Karriere und empört die Politiker

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Berlin (asi). Die Ankündigung des Fußballclubs Borussia Dortmund, in Zukunft einen Teil der Spielergehälter als steuerbegünstigte Feiertags und Nachtzuschläge auszubezahlen, hat zu Streit über diese Subvention in der deutschen Einkommensteuer geführt. Auch die Fußballclubs Hertha BSC und Werder Bremen erwägen, ihren Fußballern künftig steuerfreie Nacht- und Feiertagszuschläge zu zahlen. Eine Entscheidung darüber sei jedoch noch nicht gefallen, sagte Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller dem Tagesspiegel. „Wenn die anderen es machen“, sagte Werder-Vorstand Manfred Müller dieser Zeitung, „dann machen wir es auch“.

Der Finanzpolitiker der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, bezeichnete die Pläne der Fußballclubs als „Steuersparmodell“ und verlangt von den Finanzämtern aller Sportvereine, „penibel“ zu prüfen, ob jeder Spieler an dem begünstigten Zeitpunkt auch tatsächlich gearbeitet habe. Die Finanzbeamten forderte Poß auf, diese Kontrollen nicht nur bei den abendlichen und sonntäglichen Ligaspielen durchzuführen, sondern auch während des Trainings. „Nachtarbeit“, so Poß, „das heißt Arbeit nach 20 Uhr abends“.

Hintergrund dieser Aufforderung ist die politische Diskussion über den Sinn des Paragraphen 3b im deutschen Einkommensteuerrecht. Danach sind Nacht- und Feiertagszuschläge steuerlich begünstigt - und zwar für jeden Angestellten und unabhängig von dessen sozialer Situation. Ursprünglich im Steuerrecht geschaffen, um etwa für Krankenschwestern und Feuerwehrleute die Sonderschichten attraktiver zu machen, wird Schichtarbeit mittlerweile aber überall in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen mit solchen steuerbegünstigten Zuschlägen versüßt. Im Zusammenhang mit der Diskussion um den Subventionsabbau war in der Vergangenheit immer wieder auch die Abschaffung dieser Steuergeschenke gefordert worden. Sowohl die rot-grüne Bundesregierung als auch die Union halten bisher jedoch an dieser Regelung fest.

Ein Sprecher von Finanzminister Hans Eichel (SPD) sagte dieser Zeitung am Montag, man plane keinerlei Diskussion über diese Zuschläge. Gleichwohl verschaffe sich Eichel derzeit bei den Finanzbehörden einen Überblick darüber, in welchem Maße und in welchen Branchen die Zuschläge steuerbegünstigt gewährt werden.

Die Praxis, die offenbar unter Sportclubs aber auch im künstlerischen Bereich seit langem geübt wird, will der SPD-Fraktionsvize Poß nun generell überprüfen lassen. Sein Argument: Die Arbeit „außerhalb der für einfache Arbeitnehmer üblichen Zeiten sollte eigentlich von den hohen Gehältern der Profis abgedeckt sein.“ Sollte sich herausstellen, dass Fußballmillionäre legal steuerliche Vorteile durch die Zuschlagsregelung erhalten, meint Poß, dann „muss der Gesetzgeber überlegen, die Spielräume enger zu machen“. Die Subvention generell in Frage stellen will Poß allerdings nicht. Dies führe zu negativen Auswirkungen für Kleinverdiener.

Durch das Steuermodell können die Fußballclubs beachtliche Kosten einsparen. Insider gehen davon aus, dass die Bruttogehälter, die die Clubs für Spieler und Personal bezahlen müssen, um „gut zehn Prozent“ sinken werden.

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