Wirtschaft : Feindliche Politik

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Die vom USArbeitsministerium veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für den August werden im Präsidentschafts-Wahlkampf sicher für Zündstoff sorgen. Hinter all der wahltaktischen Rhetorik aber steht ein ernstes Problem: Überall wo Regierung und Gewerkschaften die Wirtschaft mit hohen Kosten belasten, sind Arbeitsplätze in Gefahr.

Dabei haben gerade die Politiker, die am lautesten über die Stellenverluste jammern, die meiste Schuld an der Misere. Das macht der Fall eines Schleifmittel-Werkes in Worcester, Massachusetts, deutlich. Die Fabrik gehört dem französischen Konzern Saint Gobain. Das Werk ist einer der größten Steuerzahler in Massachusetts und kauft jedes Jahr für 50 Millionen Dollar bei amerikanischen Fabrikanten.

Doch schon seit längerem tobt bei Saint Gobain ein Arbeitskampf. Vor drei Jahren hatte die Belegschaft beschlossen, der Automobilbau-Gewerkschaft beizutreten. Eine Woche vor der Abstimmung hatte der demokratische KongressAbgeordnete James McGovern den Arbeitern per Brief geraten, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Nun ringt der Konzern seit zwei Jahren mit der Gewerkschaft um einen Tarifvertrag. Eine Einigung ist nicht in Sicht, denn Saint Gobain will Lohnerhöhungen an die Steigerung der Produktivität koppeln. Zudem sollen die Beschäftigten einen höheren Anteil der Krankenversicherungsbeiträge übernehmen. Verglichen mit anderen Arbeitnehmern der Branche zahlen Mitarbeiter von Saint Gobain geringere Versicherungsbeiträge und verdienen rund 25 Prozent mehr. Die Konzernspitze erkennt das Recht der Arbeiter an, für einen fairen Tarifabschluss zu kämpfen. Womit die Chefetage aber nicht gerechnet hat, sind die politischen Anfeindungen, mit denen sie sich auseinander setzen muss. So hat der Senator des Bundesstaates, der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry, einen Brief an den Firmenchef geschrieben: Sollte Saint Gobain den Standort Worchester aufgeben, würden die Einwohner sehr genau wissen, wem sie die Schuld daran zu geben haben.

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