Wirtschaft : "Feindliche Übernahme": Wie man mit Risikokapital sein Leben riskiert

Corinna Visser

"Venture-Investoren kennen keinen Schlaf, wenn noch Arbeit an einem aktuellen Projekt wartet." Der britische Romanautor Michael Ridpath muss es wissen, denn er arbeitet selbst für eine Investmentfirma. Doch Schlafmangel ist nicht die einzige Gefahr für die Gesundheit, der sich die Mitarbeiter dieser Branche aussetzen. In "Feindliche Übernahme" gewinnt die Bezeichnung Risikokapital eine zusätzliche Bedeutung: Gleich mehrfach fallen Mitarbeiter einer Bostoner Investmentfirma Mordanschlägen zum Opfer. Die Hauptfigur des Romans, Simon Ayot, gerät doppelt unter Druck. Einer der ermordeten ist sein Vorgesetzter und Schwiegervater und die Polizei hält ihn für den Hauptverdächtigen. Auch seine Frau ist sich seiner Unschuld nicht mehr sicher und verlässt ihn. Ayot sieht nur eine Chance, er muss sich selbst auf die Suche nach dem Mörder machen. Dabei riskiert er auch sein eigenes Leben. Es geht um viele Milliarden Dollar, Geld, dass sich an der Börse ganz schnell in nichts auflösen kann, wenn Anleger plötzlich nicht mehr an die Erfolgsversprechen junger Unternehmen glauben. Ridpath führt den Leser hinter die Kulissen im Spiel der aufstrebenden und ehrgeizigen Internet- und Biotechnikfirmen mit den Investoren, denen sie mehr Fantasien als tatsächliche Erfolge verkaufen können. Überraschend neue Erkenntnisse über die Arbeit in einer Investmentfirma gewinnt der Leser dadurch nicht. Es ist einfach ein guter Krimi, Spannung erwächst nicht aus dem, was in der Finanzwelt oder der Biotechnikbranche passiert. Der Leser will einfach nur wissen, wer der Mörder ist. Und anders als in der wirklichen Welt: Am Ende sind die Guten auch die Erfolgreichen.

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