Wirtschaft : Ferienflieger LTU gerettet

jz

Der Ferienflieger LTU ist in letzter Minute gerettet worden. Nach einer stundenlangen Nachtsitzung einigten sich Anteilseigner, Banken und das Land Nordrhein-Westfalen am Freitagmorgen auf ein Rettungspaket. Damit sei die drohende Pleite abgewendet, teilte die Landesregierung in Düsseldorf mit. Hätte es bis Freitagmittag keine Einigung gegeben, hätte LTU wahrscheinlich Insolvenz anmelden müssen. Damit wären die Flüge des zweitgrößten deutschen Ferienfliegers nach Angaben aus Verhandlungskreisen sofort bedroht gewesen, also auch der Weihnachts- und Neujahrsverkehr.

Am Donnerstag nachmittag schien das Schicksal der 2300 direkt bei der LTU beschäftigten Mitarbeiter bereits besiegelt zu sein, die Pressemitteilung über das Ende der Gesellschaft wurde schon geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Banken und der Einzelhändler Rewe, der 40 Prozent der Anteile hält, hoffnungslos vertaktiert. Auch das Land Nordrhein-Westfalen war nicht mehr bereit, die eigentlich zugesagten Bürgschaften zu unterzeichnen. Finanzminister Peer Steinbrück hatte intern die Reißleine gezogen und auch seinem Kollegen im Wirtschaftsressort, Ernst Schwanhold, in drastischen Worten klargemacht, was eine Unterschrift bedeuten würde. Der Wortlaut ging in etwa so: "Wenn wir jetzt unterschreiben, sitzen wir in sechs Monaten beide im Gefängnis".

Eine tragende Rolle spielte dabei Hans Schwarz. Der Chef der Sparkasse Düsseldorf war als Treuhänder bei dem trudelnden Ferienflieger eingesprungen, hatte zur Rettung der Gesellschaft knapp 50 Prozent der Anteile übernommen und sich gleichzeitig am Konsortium für den 120 Millionen Euro Kredit beteiligt - beides geht nach den Regeln des deutschen Bankwesens aber nicht. Dies war einer der Gründe, warum die Rettung der LTU nach dem Ende der Muttergesellschaft Swissair vor wenigen Wochen plötzlich auf Neue gefährdet war.

Durch die Einigung wird nun eine Sanierung möglich. Insgesamt bleibt es bei der angestrebten Kredithöhe von 240 Millionen Mark für LTU. Dafür übernimmt das Land eine 90-prozentige Bürgschaft. Die entsprechende Urkunde wurde am Freitag von der Landesregierung unterzeichnet. Die Bürgschaft des Landes war am Donnerstag von der EU-Kommission genehmigt worden.

Von Bankenseite sind an dem Rettungspaket nun nur noch die West-LB und die Stadtsparkasse Düsseldorf beteiligt. Die Dresdner Bank dagegen stieg aus. Dagegen erklärte sich LTU-Minderheitsaktionär Rewe schließlich doch bereit, weitere 40 Millionen Mark zuzuschießen. Konkret verpflichteten sich die WestLB und die Stadtsparkasse Düsseldorf, dem Ferienflieger noch am Freitag Kredite über 200 Millionen Mark bereit stellen.

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