Fernbusse : Der Wettbewerb kommt den Kunden zugute

Nicht nur an Streiktagen sind Fernbusse eine Alternative. Wie man den besten Preis und Service findet, lesen Sie hier.

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Der Markt für Fernbusse wächst - nicht nur wegen der Streiks bei der Bahn.
Der Markt für Fernbusse wächst - nicht nur wegen der Streiks bei der Bahn.Foto: dpa

Der Tarifstreit der Lokführer mit der Deutschen Bahn wirkt auf die Fernbus- Branche wie ein Konjunkturprogramm. Allein während des Streiks in der vergangenen Woche verbuchte der Marktführer MeinFernbus Flixbus fünfmal mehr Zugriffe auf seine Webseite und etwa 150 Prozent mehr Buchungen. Das Unternehmen Postbus verkaufte nach eigenen Angaben drei- bis viermal so viele Tickets wie sonst. Und auch der Konkurrent BerlinLinienBus registrierte 135 Prozent mehr Kunden.

Der Markt wächst von Woche zu Woche

Doch selbst ohne Streiks bei der Bahn wächst der Markt von Woche zu Woche. Aktuell gibt es nach Angaben des Berliner Iges-Instituts 264 Bus-Linien, auf denen mit 7200 Fahrten pro Woche eine Strecke von rund drei Millionen Kilometern bedient wird. Seitdem der Fernbusmarkt im Jahr 2013 liberalisiert wurde, tobt der Wettbewerb. Zum Vorteil der Verbraucher, die – bei gutem Timing und mit etwas Glück – für sehr kleines Geld durchs Land reisen können. Vor allem die Strecken von und nach Berlin sind immer noch sehr gefragt. Je größer das Angebot, desto unübersichtlicher der Markt. Wer den besten Service zum besten Preis finden will, muss rechtzeitig buchen – und wissen, worauf man als Fernbus-Passagier achten sollte.

Auf Onlineportalen kann man Preise vergleichen

Mit der Zahl der verschiedenen Tarife ist auch das Angebot an Online-Portalen gestiegen, bei denen man Preise vergleichen, den günstigsten Anbieter für die gewählte Strecke und die Fahrtzeiten auswählen kann. Die größten Vergleichsportale sind Busliniensuche.de, Fernbusse.de, Fahrtenfuchs.de oder GoEuro.de. Da nicht alle Suchmaschinen auf jeweils alle Anbieter zugreifen, empfiehlt sich auch ein Vergleich der Portale. Die großen Fernbusfirmen sind in der Regel aber auf allen Suchseiten vertreten – manchmal aber offenbar nicht mit allen Verbindungen. Hilfreich für Reisende ist, wenn die Portale auch Alternativen zum Bus (Bahn, Flüge, Mitfahrgelegenheit etc.) auflisten. Das Preisvergleichsportal Fromatob.de zeigt zum Beispiel die Tarife für verschiedene Verkehrsmittel an unterschiedlichen Tagen in einem Übersichtskalender an. In seinem Bahntest 2014/2015 hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Ende 2014 einige Portale verglichen (siehe Grafik).

Die Angebote weichen stark voneinander ab

Eine Stichprobe zeigt, wie stark die Preise und Konditionen voneinander abweichen können: Eine am vergangenen Donnerstag für diesen Montag gebuchte einfache Fahrt von Berlin nach Köln (Abfahrt: 9 Uhr), bei der ein Fahrrad mitgenommen werden sollte, kostet bei MeinFernbus 31 Euro und bei Postbus 33,50 Euro. Unschlagbar günstig ist der britische Dumping-Anbieter Megabus, der nur zehn Euro verlangt – aber keine Räder transportiert. Bei Flixbus (31 Euro) waren bis zum 22. Juni keine Rad-Plätze mehr frei. Am preiswertesten (28 Euro) wäre man mit OneBus unterwegs, vorausgesetzt, die Fahrt könnte um 14 Uhr statt um 9 Uhr starten. Zeit sollte man bei allen Anbietern mitbringen: Die Fahrt von Berlin nach Köln dauert zwischen sieben und acht Stunden. Generell gilt: Fernbusse sind in den vergangenen Monaten tendenziell teurer geworden. Die Sparpreise verteuerten sich laut Iges von Januar bis April durchschnittlich um elf Prozent. Die Normalpreise blieben dagegen weitgehend stabil.

Tickets gibt es im Internet

Wer im Internet nach seiner Verbindung gesucht hat, kann dort auch gleich sein Ticket kaufen. Gezahlt wird meist über Kreditkarte, Lastschrifteinzug oder das Bezahlsystem Paypal. Den Fahrschein können sich Reisende am heimischen Computer ausdrucken. Manche Unternehmen bieten auch einen Ticketversand per Post oder schicken die Fahrkarte virtuell aufs Smartphone. Auch eine telefonische Buchung ist meist möglich. Ein Ticketkauf direkt vor Fahrtantritt beim Fahrer ist bei den meisten Unternehmen ebenfalls möglich. Allerdings kann der gewünschte Bus dann auch schon ausgebucht sein.


Toiletten und Klimaanlage sind bei den Anbietern Standard

Service und Komfort sind bei den Anbietern weitgehend gleich. Toiletten und Klimaanlage sind Standard. Das kostenlose Internet lässt einer Umfrage von Iges zufolge jedoch oft zu wünschen übrig. Als wichtiges Vergleichskriterium bleibt der Preis: Für Kinder und Jugendliche gibt es meist Rabatt, aber zu unterschiedlichen Bedingungen. Auch Menschen mit Behinderung sollten sich informieren; die Begleitperson kann meist gratis mitfahren. Vielfahrer bekommen bei manchen Anbietern günstigere Preise. Einrechnen sollten Fernbus-Kunden mögliche Sonderkosten wie Aufpreise für große Gepäckstücke bei einzelnen Anbietern. Auch die (kostenpflichtige) Mitnahme eines Fahrrades ist nicht bei allen Unternehmen möglich, wie das Beispiel Megabus zeigt – und wenn doch, dann sollte man wegen der begrenzten Plätze frühzeitig buchen. Entscheidend für die Auswahl kann auch die Frage sein, ob Haltestellen zentral gelegen und gut erreichbar sind.

Bei Verspätungen haben Kunden keinen Anspruch auf Erstattungen

Gerade während des Bahn-Streiks waren die deutschen Autobahnen voll. Steht ein Fernbus länger im Stau, haben Reisende aber – anders als bei der Deutschen Bahn – bei Verspätungen keinen Anspruch auf eine Erstattung des Fahrpreises, wie die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr (SÖP) erklärt. Geld zurück steht ihnen nur zu, wenn sich die Abfahrtszeit um mindestens zwei Stunden verzögert – und auch das nur, wenn die Fahrt regulär länger als drei Stunden dauert. Soll eine Fahrt schon vorab storniert oder umgebucht werden, variieren die Stornierungs- und Umbuchungsbedingungen stark. Manche haben eine Pauschale festgesetzt, bei anderen richtet sich die Höhe der Gebühr nach dem Preis des gekauften Tickets. In Streitfällen sollte man sich an die SÖP (https://soep-online.de/) wenden. mit AFP,dpa

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