Fernlernen & E-Learning : Klicken statt blättern

Kaum ein Fernstudienangebot kommt heute ohne E-Learning aus: Was früher ein Vorlesungsskript war, wird inzwischen multimedial vermittelt.

Klaus Grimberg
Büffeln im Netz. Laut „Forum Distance Learning“ waren allein 2013 rund 410 000 Männer und Frauen im E-Learning aktiv.
Büffeln im Netz. Laut „Forum Distance Learning“ waren allein 2013 rund 410 000 Männer und Frauen im E-Learning aktiv.Foto: imago/Westend61

Das Schlüsselwort lautet „Flexibilität“. Wer bereits in einem Beruf arbeitet, wer Job und Familie miteinander vereinbaren muss oder wer in einer ländlichen Region lebt, für den können Fernstudien- und Fernlernangebote ein Segen sein. Denn jeder kann individuell entscheiden, wann und wo er sich weiterbilden will.

Seit Jahren steigen die Teilnehmerzahlen beim Fernlernen und E-Learning und kontinuierlich an: 2013 waren knapp 153 000 Menschen für ein Fernstudium eingeschrieben, 120 000 von ihnen an einer Fernhochschule und 33 000 an einer öffentlichen Präsenzuniversität mit Fernstudienangebot. Auch im subakademischen Bereich hält der Zulauf zu den Fernlernangeboten an: Rund 250 000 Teilnehmer belegten 2013 einen staatlich zugelassenen Fernkurs. Insgesamt registrierte das „Forum Distance Learning“, der Fachverband für Fernlernen und Lernmedien, rund 410 000 Männer und Frauen, die 2013 im E-Learning aktiv waren. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur 265 000.

„Das Fernlernen erlaubt einen Mix aus verschiedenen Lernorten und -medien – und genau auf diese Mischung kommt es an“, sagt Mirco Fretter, Präsident des Verbandes. Längst sind in die allermeisten Lehrangebote Präsenzseminare integriert: Der klassische Studienbrief wird durch webbasierte Vermittlungsformen ergänzt, hinzu kommen spezielle Internetforen, um sich mit anderen Lernenden auszutauschen. „Die vielfältigen Möglichkeiten der Mediennutzung müssen sich heute in einem Fernbildungsangebot widerspiegeln, ansonsten hat es bei potentiellen Nutzern keine Chance“, weiß Fretter.

Sich mit 50 beruflich noch einmal neu zu orientieren, ist heute keine Seltenheit mehr

Auffällig an der aktuellen Statistik ist, dass die größten Teilnehmer-Zuwächse in den Altersgruppen zwischen 20 und 30 Jahren sowie zwischen 40 und 50 Jahren zu verzeichnen sind. „Das Thema Weiterbildung ist heute schon viel früher in den Köpfen als noch vor 20 Jahren“, sagt Fretter. Oft werde schon während der Ausbildung darüber nachgedacht, was die nächsten Schritte auf dem persönlichen Bildungsweg sein könnten. Viele Fortbildungsangebote setzen heute nach zwei bis drei Jahren Berufserfahrung an, früher waren es fünf bis sechs Jahre.

Genauso sensibel für lebenslanges Lernen ist die Gruppe der über 40-Jährigen. „Einmal gelernt und das Wissen dann bis zur Rente immer wieder angewendet – so etwas gibt es nicht mehr“, sagt der Verbandschef. Die Arbeitswelten haben sich gewandelt – und damit auch die Ansprüche an die Fachkräfte. Sich mit 45 oder 50 beruflich noch einmal neu zu orientieren, ist heute keine Seltenheit mehr. Noch vor zwanzig Jahren, so Fretter, seien Fernlernangebote für diese Altersgruppe kaum relevant gewesen.

Die größte Nachfrage bei den Lerninhalten gibt es traditionell beim Thema Wirtschaft und kaufmännische Praxis, in dem 27 Prozent der Teilnehmer Kurse belegen. Am meisten gewachsen ist der Bereich Gesundheit, Haushaltspflege und Freizeit, für den sich derzeit 16 Prozent der Teilnehmer entscheiden – ein Drittel mehr als noch 2012. Der Grund: In der Alten- und Krankenpflege besteht ein besonders großer Arbeitskräftemangel. Auch hier lässt sich durch Fernlernen viel grundlegendes Wissen erwerben.

Pflege und Fernlernen, wie soll das funktionieren?

Obschon gerade bei diesem Thema Skepsis angebracht erscheint – Pflege und Fernlernen, wie soll das funktionieren? Fretter erläutert es an einem Beispiel: Ein Patient soll beim Bettenmachen von der linken auf die rechte Seite gelagert werden. „Natürlich müssen solche Handgriffe vor Ort und in der Praxis geübt werden.“ Aber durch detaillierte Lernvideos könnten „umfangreiche Vorleistungen erbracht und Präsenzzeiten der reinen Hospitation deutlich verringert werden“. Ein Praxislehrgang nehme dann womöglich nur noch drei statt fünf Tage in Anspruch.

Grundsätzlich, darüber ist sich Mirco Fretter im Klaren, sei die aktuelle Statistik seines Verbandes nur bedingt aussagekräftig. Denn tatsächlich lägen die Zahlen der Nutzer von Fernlernangeboten um ein Vielfaches höher. „Es gibt heute kaum noch einen Bachelorstudiengang, kaum eine innerbetriebliche Weiterbildung, in denen nicht medial aufbereitete Inhalte angeboten werden“, sagt er.

Die Lern- und Lehrwelt hat sich in den vergangenen 25 Jahren fundamental verändert. Was früher ein Vorlesungsskript oder ein Multiple-Choice-Test war, ist heute multimedial vermitteltes Wissen auf Datenträgern oder im Netz. Und ein Ende dieser rasanten Entwicklung ist nicht abzusehen.

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