Fernreisen : Weihnachten im Sommer

Die steigenden Preise schrecken die Deutschen nicht ab. Sie reisen noch häufiger als 2006 in sonnige Winterregionen und kehren Kälte und Schnee den Rücken.

Aline Klett

Berlin - Trotz gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise zieht es auch in diesem Jahr wieder viele Deutschen über Weihnachten in die Ferne. „Die Buchungen für die letzten beiden Jahreswochen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent gestiegen, für die Woche vor Weihnachten sogar um sieben Prozent“, sagt Dörte Bortfeldt, die bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das „Tourismus-Vertriebspanel“ erstellt. Die repräsentative Umfrage in 1200 Reisebüros fand heraus, dass Reisende durchschnittlich 619 Euro für ihre Weihnachtsferien ausgaben.

Um der Winterkälte zu Weihnachten und Silvester zu entfliehen, steht die Sonne auf den Kanarischen Inseln bei deutschen Urlaubern hoch im Kurs. „In diesem Jahr wurden vor allem Sonnenziele wie die Kanaren und Ägypten nachgefragt, aber auch Florida und Thailand“, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Städtereisen in europäische Metropolen wurden dagegen über Silvester gebucht. Dabei zieht es nach einer Umfrage der Internet-Reisesuchmaschine Kayak nur rund die Hälfte der Deutschen in die Ferne. 53 Prozent bleiben lieber zuhause bei der Familie.

Wer sich allerdings jetzt noch für eine Reise über die Feiertage entscheiden sollte, könnte Pech haben. „Nahezu alle Ziele über Weihnachten und Neujahr, wo es schön warm ist, sind ausgebucht. Für Flüge auf die Kanaren und nach Ägypten gibt es nur noch einzelne Restplätze“, sagt Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller. Wer vor dem 13. Januar zurückkommen wolle, habe schlechte Karten. Bis dahin seien die Rückflüge völlig ausgebucht.

Drei Jahre nach dem Tsunami sind besonders Fernflüge nach Südostasien wieder gefragt. „Ziele wie Phuket und Bangkok sind während der Feiertage nahezu ausgebucht“, sagt Air-Berlin-Sprecherin Müller. Auch freie Plätze auf Fernstreckenflügen in die USA gebe es nur noch wenige. Der im Vergleich zum Euro günstige Dollarkurs mache besonders diese Flüge attraktiv.

Die gute Lage der Feiertage in diesem Jahr tut ihr Übriges: Da Weihnachten und Silvester auf Wochentage fallen, können Reisende mit nur wenigen Urlaubstagen länger Ferien machen. Viele haben das genutzt und sich bei der Buchung für eine Fernreise entschieden. Dabei fällt auf: „Familien verreisen wegen der langen Weihnachtsferien oft 14 Tage, Pärchen dagegen eher bis sieben Tage“, sagte Christian Wüstefeld, Geschäftsführer der Derpart Reisebüros Ehlert in Berlin. Letztere ziehe es oft für einen Kurztrip in europäische Städte, vor allem zu Silvester. Besonders beliebt sind Arrangements, die über drei bis fünf Tage gehen. „Das Gala-Dinner in Wien oder eine rauschende Ballnacht in historischen Gemäuern – alles wird gebucht“, sagt DRV-Sprecher Schäfer.

Auf der Reiseliste stehen aber auch Hotels, die nur ein paar Autostunden entfernt sind. „Wir sind mit der Buchungslage sehr zufrieden. Von uns vermittelte Hotelplätze in Brandenburg sind so gut wie ausgebucht“, sagt Birgit Freitag von Tourismus Marketing Brandenburg.

Angesichts der guten Buchungssituation, ist von Reisegutscheinen unter dem Weihnachtsbaum somit eher abzuraten. „Es gibt kaum noch Reisen, die kurzfristig gebucht werden können – höchstens mit eigener Anfahrt in Schneegebiete“, warnt Wüstefeld.

Wer in diesem Jahr früh geplant hat, hatte Glück. „60 Prozent der Weihnachtsurlauber buchen ihre Reise in den letzten drei Monaten vor der Abreise“, sagt GfK-Projektleiterin Bortfeldt. Aber immerhin 18 Prozent entschieden sich kurzfristig erst im Dezember. Der Silvesterreisende plane sogar noch spontaner: Jeder Dritte buche erst einen Monat vor Abreise, sagt Bortfeldt.

Um auch im nächsten Jahr die freie – und möglichst günstige – Auswahl zu haben, empfehlen Reiseveranstalter, sich frühzeitig um den Weihnachtsurlaub zu kümmern. Sie legen ihre Kataloge mit Frühbucherrabatten für die Weihnachts- und Silvesterbucher bereits ab dem Juli 2008 aus. Aline Klett

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