Wirtschaft : Fernsehen ohne Limit

Tewe Pannier

Scheichs und andere Millionäre in Arabien haben eine neue Leidenschaft entdeckt: Jeder will seinen eigenen Fernsehsender haben! Ali zum Beispiel, Prinz einer Herrscherfamilie eines kleinen Golf- Emirats, erzählt in seinem Büro, als habe er gerade das Fernsehen erfunden. „Wir machen jetzt einen Musiksender auf!“ Er greift zur Fernbedienung und steuert die Konkurrenz an: „Guck, so einen wie den“, sagt er bei einem Kanal, auf dem Herren in weißen Gewändern zu Golf- Pop tanzen. „Oder wie dieser hier“ – es scheinen die gleichen Herren, die gleichen Gewänder zu sein, nur ein anderer Kanal. Alis Musiksender wird etwa der 46. für Arabien – was ihn von den anderen unterscheidet, ist unklar. Nur so viel: „Die Party zum Sendestart wird toll!“

Von Oman bis Casablanca, von Bagdad bis zum Jemen: Die Araber gucken fern mit Schüsseln, direkt vom Satellit. Keine Kabelgesellschaft, keine Medienanstalt, keine Werbebeschränkung passen zwischen Sender und Zuschauer. Jeder kann TV machen, wenn er das Kleingeld hat. Nur eine Handvoll erreicht professionelles Niveau. Das Durchzappen von vorne bis hinten dauert eine Stunde, mancher der rund 300 Kanäle macht neugierig. Auf einem wird ein Kamel zum Verkauf angepriesen: „Eine wunderschöne Stute mit irakischen Eltern“, sagt der Sprecher. Ein anderer zeigt ein Programm, das aussieht wie die Lindenstraße auf Ägyptisch – mit Schauspielern, die sich aufführen wie zur Stummfilmzeit. Ein dritter lässt uns teilhaben, wie drei libanesische Damen und ihr offensichtlich homosexueller Frisör stundenlang Haare machen. Freitags zeigt „Saudi 1“ am liebsten Mekka. Rund 30 News-Channels verbreiten die gleichen Nachrichten mit unterschiedlicher Sichtweise. Einer ist von Hisbollah finanziert, einer von der US-Regierung, einer vom Prinzen aus Saudi Arabien, einer vom Königshaus in Katar. Dazwischen BBC und Deutsche Welle.

Wir haben jetzt auch die Schüssel auf dem Balkon, die den Satelliten „Hotbird“ empfängt und das Angebot noch mal um rund 700 Sender erweitert. Was wir so gucken? Meistens Nachrichten im ZDF. Danach schieben wir eine DVD rein.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar