Wirtschaft : Fernsehmarkt: Großbritannien: Murdochs Spielwiese

Matthias Thibaut

Nicht zuletzt dank der Leistungen der BBC fühlt sich Großbritannien immer noch als führende TV-Kulturnation der Welt. Die Insel gilt auch als aufregendster Marktplatz für digitales Fernsehen. Die Briten haben 1998 als Erste das terrestrische Digital-Fernsehen mit seinen interaktiven Möglichkeiten durchgesetzt. Ansporn dazu war der Mangel an analogen Frequenzen und das Bestreben, eine Entwicklungsalternative zum Satelliten-TV zu schaffen, das von der BSkyB-Gruppe beherrscht wird, an der Rupert Murdoch die Mehrheit hält. Allerdings bedeutet der drohende Konkurs der Betreibergruppe ITV-Digital Gefahr für den Plan der Regierung, die Zuschauer auf die digitalen Plattformen zu locken, die analogen Frequenzen bis 2006 abzuschalten und meistbietend zu versteigern.

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Diese Woche musste die Aufsichtsbehörde Independent Television Commission (ITC) an BSkyB und die BBC appellieren, damit die 1,2 Millionen Abonnenten von ITV Digital auch im Konkursfall noch etwas zu sehen haben. Indirekt könnte die Krise von ITV-Digital dem von Murdoch kontrollierten BSkyB zum ersten Mal Zugang zu terrestrischen Frequenzen eröffnen.

Mehr als 50 Prozent der Briten bezahlen für die Pay-TV-Angebote von BSkyB, ITV-Digital und anderen Kabel- und Satellitenbetreibern. Den anderen Zuschauern scheinen die fünf landesweiten terrestrischen Kanäle auszureichen. Das sind zwei BBC-Kanäle und die drei kommerziellen Kanäle ITV, Channel 4 und Channel 5, die sich über Werbeeinnahmen finanzieren. Als Anbieter, die von der Regierung lizensiert wurden, unterstehen sie der Kontrolle der ITC.

Die BBC reguliert sich auf Grundlage ihrer jeweils für zehn Jahre erteilten königlichen "Charta" selbst durch ein Aufsichtsgremium. Sie ist in ihrem englischen Programm (anders als bei BBC World) werbefrei und wird aus der jährlichen Rundfunkgebühr von rund 160 Euro finanziert. Da die BBC trotz der wachsenden Konkurrenz einen Zuschaueranteil von weit über 30 Prozent hält, wird die von Murdoch in den 80er Jahren angefachte Diskussion um die Fernsehgebühren heute nicht mehr so hitzig geführt.

Die Zweiteilung der Medienaufsicht in ITC und BBC wird angesichts der zunehmenden Verflechtung in der Multi-Channel-Welt zunehmend kritisiert - zumal die BBC für die digitalen Plattformen inzwischen einen ganzen Strauß von kostenlosen Programmen beisteuert. Umstritten ist vor allem ein Gesetz, das Zeitungseignern verbietet, mehr als 20 Prozent an TV-Gruppen zu besitzen. Damit wird ausländischen Zeitungskonzernen der Griff aufs britische TV verwehrt. Viele Fachleute und auch eine wachsende Zahl von Labour-Politikern halten die Vorstellung einer monopolistischen Medienkontrolle im Zeitalter einer Vielzahl von Unterhaltungsplattformen und -Kanälen aber für überholt.

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