Wirtschaft : Fernsehmarkt: Italien: Berlusconi auf allen Kanälen

Thomas Migge

Italiens Fernsehzuschauer haben die Qual der Wahl zwischen zwei Fernsehriesen. Entweder schauen sie RAI oder aber Mediaset. Die öffentlich-rechtliche RAI mit ihren drei Kanälen und die ebenfalls drei Kanäle des Berlusconi-Unternehmens teilen sich ungefähr zur Hälfte die zirka 35 Millionen Italiener, die sich jeden Abend vor den Fernseher setzen. Beide TV-Konzerne teilen sich nicht nur die Zuschauer, sondern auch den Werbemarkt. "Der Markt ist so gut wie zweigeteilt", weiß Medienkritiker Beniamino Placido von der Tageszeitung "La Repubblica". Dass es noch rund 200 lokale und regionale TV-Sender gibt, sagt Placido, "fällt nicht ins Gewicht, denn die haben nur wenige Liebhaber". Seit einigen Jahren versucht zudem der Sender Telemontecarlo TMC sein Glück und propagiert einen so genannten "dritten TV-Pool". Aber über schlappe Ansätze ist man nie hinausgekommen, denn gegen die Werbemächte RAI und Mediaset kommt der Anbieter nicht an.

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Eine Regierungskommission wacht darüber, dass die RAI von politischen Einflüssen unabhängig bleibt und ihren Verfassungsauftrag - "Information, Bildung und Unterhaltung für alle" - erfüllt. Aber die Arbeit dieser Kommission muss neu definiert werden, denn Ministerpräsident Berlusconi, so die Kritik nicht nur der linken Opposition, kann nicht neutral über das Staatsfernsehen wachen. Aufgrund seines Einflusses auf eigene Sender gilt er als voreingenommen.

Auch wenn der Regierungschef gern davon spricht, dass es einen "freien Wettbewerb auf dem Fernsehmarkt" gibt, ist eher das Gegenteil der Fall. Kleinere Anbieter haben große Schwierigkeiten sich einen Marktanteil neben den beiden Giganten zu erobern. Anzunehmen ist außerdem, dass sich die Großen in nächster Zukunft bei der Programmgestaltung weiter annähern werden: Berlusconi hat unlängst einen Freund zum neuen Generaldirektor der RAI ernannt.

Sind neue Sendelizenzen nur auf lokale und regionale Sender beschränkt, also für investitionsfreudige Unternehmer uninteressant, so gilt das erst recht für ausländische Investoren. So verwundert es nicht, dass Rupert Murdoch und der arabische Prinz Al Waleed bei der Mediaset nur verschwindend geringe Anteile besitzen.

"Man kann im Fall Italien", sagt Placido, "beim Fernsehprogramm von einem Kartell sprechen." Das sei auch schon so vor Berlusconis Regierungsübernahme gewesen, denn, so der Experte, "seit Jahren schon versucht die RAI ihr Programm der Mediaset anzupassen, um Berlusconi Werbekunden abzulocken". Für den Fernsehzuschauer der RAI bedeutet dies immer mehr Quizsendungen, Seifenopern und leichte Showkost. Der Verbraucherverband leitet daraus eine Forderung ab: Weil sich Staats-TV und Berlusconi-Fernsehen immer ähnlicher werden, könne man endlich die Fernsehgebühren für die RAI abschaffen.

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