Fernstudium : Noch irgendwas unklar?

Zur Beratung für einen Fernkurs sollte man persönlich gehen – und viele eigene Fragen mitbringen.

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Wer hinterher nicht ratlos am Rechner sitzen will, sollte sich vor der Einschreibung gut informieren.
Wer hinterher nicht ratlos am Rechner sitzen will, sollte sich vor der Einschreibung gut informieren.Foto: Imago

Er gilt als Karrierebeschleuniger, aber auch als ziemlich teuer. Der Master of Business Administration (MBA) soll Fachkräfte auf Managementaufgaben vorbereiten. Da die Weiterbildung an deutschen Hochschulen bis zu 60 000 Euro kosten kann, denken viele Interessenten über die günstigere Variante nach: ein Fernstudium, für das man maximal ein Drittel dieser Summe bezahlt. Die Stiftung Warentest hat Ende 2013 elf MBA-Fernstudiengänge analysiert. Das Ergebnis lässt vor allem bei der Beratung zu wünschen übrig.

Jeweils neun Tester haben einen Anbieter inkognito unter die Lupe genommen: drei per Mail, drei telefonisch und drei im persönlichen Gespräch. Untersucht wurden zum einen die fachlich-inhaltliche Qualität, zum anderen der Service der Beratung. „Am effektivsten ist der persönliche Kontakt in einem Vier-Augen-Gespräch“, sagt Andrea Frey, Weiterbildungsredakteurin der Stiftung Warentest. Schon am Telefon habe die Beratungsqualität deutlich abgenommen, per Mail habe es praktisch keine nennenswerte Beratung mehr gegeben. Zwei positive Ausnahmen: Die Hochschule Koblenz und die SRH Riedlingen hätten sich durch ihre hohe Beratungsqualität deutlich von den Mitbewerbern abgehoben.

Dass die Beratung per Mail am schlechtesten war, ist für die Tester ein paradoxes Ergebnis: Ausgerechnet auf die Distanz funktionierte die Information über das Lernen aus der Ferne nur selten. Ein möglicher Grund könnte darin liegen, dass viele Anbieter die Onlineberatung lediglich als Kontaktaufnahme verstehen. Das Fazit der Stiftung Warentest: Kein Anbieter bediente alle Beratungswege gut.

Die Stiftung Warentest nahm MBA-Anbieter unter die Lupe

„Nehmen sie den Fahrtweg auf sich – und gehen sie gut vorbereitet ins Gespräch“, rät Andrea Frey zum persönlichen Termin beim Berater. Dafür hat die Stiftung einen kostenlosen Schnellcheck erarbeitet (s. Kasten). Zu den Fragen gehören zum Beispiel: Hilft der MBA dabei, die eigenen beruflichen Pläne zu realisieren? Welche fachlichen Defizite möchte ich ausgleichen? Wie läuft das Studium konkret ab? Was kostet es? Und schließlich: Passt das Fernlernen zu mir, habe ich dafür genügend Selbstdisziplin, wie finde ich im Alltag Raum dafür?

Der Leitfaden kann dabei helfen, dem Beratungsgespräch eine Struktur zu geben – die fast alle Tester bei ihren Terminen vermisst haben. Im Idealfall würde das Gespräch etwa folgendermaßen ablaufen: Die Berater klären zunächst die Beweggründe des Interessenten ab und fragen nach dessen Zielen. Über Fragen zur Lernerfahrung und der Biografie versuchen sie im nächsten Schritt herausfinden, ob der Interessent sich für das Fernlernen eignet – und natürlich auch alle formalen Voraussetzungen für den MBA erfüllt.

Einige Tester hatten Fallstricke in ihre Biografien eingebaut. Doch auch der Berater eines angeblichen Familienvaters, der durch einen Hausumbau stark eingebunden ist und zu Hause keinen Ort hat, an den er sich zum Lernen zurückziehen kann, ging nicht auf mögliche Hindernisse für den Lernerfolg ein. Generell wurden die Knackpunkte „Zeit, Lernumfeld und Geld“ selten angesprochen und meist nur die formalen Zulassungsbedingungen betrachtet: Zu den Voraussetzungen gehören ein erster akademischer Abschluss, ein paar Jahre Berufserfahrung und gute Englischkenntnisse. Dieser eingeschränkte Blick führte in den Gesprächen auch zu falschen Vorstellungen über den Lernaufwand: Ein Berater gab etwa zehn Stunden an, wo die Kultusministerkonferenz 24 bis 29 Stunden ansetzt.

Viele Fernlerner brechen wegen der zeitlichen Belastung wieder ab

Nach Angaben von Angela Fogolin, Fernlernexpertin vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), brechen viele Fernlerner die Weiterbildung ab, weil die zeitliche Belastung größer ist als angenommen. Fogolin empfiehlt im Übrigen, nicht die komplette Freizeit für das Lernen einzuplanen, sondern lediglich die Hälfte. Damit genügend Zeit für die Familie, Freunde und persönliche Termine bleibe.

Doch wie kommt es zu den schlechten Testergebnissen? Die Qualifikation der Berater spiele sicher eine Rolle; die Anbieter der Fern-MBAs seien im Zuge des Tests auch danach gefragt worden. „Eine einschlägige Ausbildung als Berater hatte diesen Angaben zufolge eigentlich keiner der Ansprechpartner für Studieninteressierte“, sagt Andrea Frey. Die meisten Mitarbeiter seien intern geschult worden, hätten an Workshops teilgenommen oder Berufserfahrung und Erfahrungswerte als Qualifikation angegeben. Dieses Qualifikationsraster – fachliche Befähigung, aber fehlende Beratungsausbildung – könnte erklären, weshalb die Beratungen selten einem roten Faden oder einer bestimmten Struktur gefolgt seien.

Die Tester haben für Interessenten einen schwachen Trost: Die inhaltlichen Kundeninformationen in den gedruckten Broschüren und auf den Internetseiten der Anbieter hätten eine hohe Qualität. Man könne sich also selbst schlau machen – und sich die Beratung einfach sparen.

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