Wirtschaft : Festtage für Online-Händler

tnt/pos

Trotz Rezession und Konsumflaute wird der OnlineEinzelhandel in diesem Jahr auf neue Rekordstände klettern. Voraussichtlich für mehr als 100 Milliarden Dollar haben Internetnutzer 2001 weltweit Waren im Netz bestellt. Das ergibt sich aus Prognosen von Marktforschern wie Forrester Research, IDC und der Boston Consulting Group. Schätzungsweise 20 Prozent der gesamten Umsätze dürften die Händler in den Wochen vor Weihnachten erwirtschaften. Das Weihnachtsgeschäft gehört sowohl im weltweit größten E-Commerce-Markt USA als auch in Europa zur umsatzstärksten Zeit des Geschäftsjahres.

In Deutschland rechnet Branchenführer Amazon.de mit einem Plus von über 40 Prozent im Weihnachtsgeschäft und hat nach eigenen Angaben in den zurückliegenden Wochen über 100 000 Bestellungen pro Tag erhalten - 30 000 mehr als im Vorjahr. Bei den Medienanbietern sind "Harry-Potter"- und "Herr der Ringe"-Produkte der Renner. Beim Internet-Buchhändler Booxtra haben sich nach eigenen Aussagen die Umsätze im Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. In der Spitze gingen pro Tag 4500 Bestellungen ein. "Wir sind zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft", sagt auch ein Sprecher des Versandhauses Quelle. Mitte November sei der Höhepunkt des Online-Weihnachtsgeschäfts erreicht worden; die letzten drei Monate des Jahres könnten zusammen durchaus auf 200 Millionen Euro Online-Umsatz kommen. Für hohen Umsatz hätten insbesondere Technik (etwa DVD-Player) und Kleidung gesorgt. Auch für den Rest des Jahres kann sich Quelle nicht beklagen. Allein über die Webseite www.quelle.de seien von Januar bis Ende November Waren für mehr 500 Millionen Euro geordert worden.

Erfolge wie beim traditionsreichen Versandhaus Quelle belegen einen Trend: Die Käufer setzen nach den Pleiten vieler Internet-Händler auf vertraute Marken. Während sich die Zahl der Besucher auf den 15 beliebtesten E-Commerce-Seiten in Deutschland auf über sieben Millionen verdoppelt hat, wird die Luft für reine Web-Unternehmen aus der zweiten Reihe und Neueinsteiger immer dünner: Eine Umfrage der Unternehmensberatung Mummert und Partner ergab, dass 53 Prozent der Befragten beim Online-Kauf bekannte Markennamen bevorzugen. Im Online-Medienhandel hat dieser Trend bereits zu einer starken Konsolidierung geführt. Doch nach der Marktbereinigung können die Überlebenden optimistischer in die Zukunft sehen.

Auch wenn nicht alle Prognosen der vergangen Jahre eingetroffen sind, steigen die Online-Umsätze stetig an. Um wieviel genau die Erlöse im E-Commerce 2001 über denen des Vorjahres liegen werden, lässt sich vor der Auswertung des Jahresendgeschäfts nicht genau sagen. "Es ist aber erheblich mehr", sagt Julia Woodham-Smith, Analystin bei Forrester Research. Forrester geht für das Gesamtjahr 2001 von rund 72,4 Milliarden Euro Online-Umsatz in den USA und rund 17 Milliarden Euro in Europa aus. Für Asien schätzt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group Online-Umsätze in Höhe von 14 Milliarden Dollar. Aber auch innerhalb von Europa entwickelt sich der Onlinehandel unterschiedlich. "Der Online-Einkauf von Lebensmitteln läuft beispielsweise in Großbritannien und Frankreich, wo große Handelskonzerne wie Tesco oder Carrefour in den Markt einsteigen, sehr gut", sagt Forrester Analystin Woodham-Smith. "Die Deutschen tun sich bei Nahrungsmitteln schwer, bestellen dafür aber mehr Kleidung online."

Was sich im Gegensatz zum Vorjahr nicht geändert hat, sind die Lieferzeiten. Im Schnitt sieben Tage ist die Ware zum Kunden unterwegs. Und mit unter acht Prozent des Kaufpreises bezahlen deutsche Online-Käufer die niedrigsten Versandkosten. In den USA werden bis zu 15 Prozent des Warenwerts für den Versand fällig. Für nächstes Jahr wird mit einer Abschwächung der Wachstumsraten gerechnet, vor allem in den USA. Der Markt ist weiter entwickelt als in Europa. Schon dieses Jahr werden die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr wohl "nur" um 20 Prozent zulegen. "In den USA, wo bereits 63 Prozent der Amerikaner über Internetanschluss verfügen, wird E-Commerce inzwischen viel stärker von den normalen konjunkturellen Trends beeinflusst als in Europa", urteilt Richard Goosey, Chefanalyst bei Nielsen Netratings.

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