Wirtschaft : Fette Weiße sind tabu

Der Sommer verlangt nach einem gut gekühlten, leichten Wein – mit möglichst wenig Alkohol

Bernd Matthies

Keine Frage: Über einen „Sommerwein“ haben die meisten Weintrinker ziemlich feste Vorstellungen. Denn im Sommer quält der Durst, und der verlangt nach einem gut gekühlten Weiß- oder Roséwein. Der Alkoholgehalt spielt eine große Rolle – Granaten mit mehr als 13 Prozent Alkohol sind tabu. Daraus folgt: Rotweine sind aus dem Rennen (Ausnahmen später), aber auch fette Weiße aus Übersee, holzbetonte Top-Burgunder oder schwere badische Spätlesen haben bei der Wahl zum Sommerwein keine Chance. Eine andere, zu Unrecht abfällig behandelte Kategorie drängt nach vorn: Restsüße oder halbtrockene Weine, vor allem aus Deutschland, sind besonders leicht, weil eben nicht der gesamte in den Trauben enthaltene Zucker in Alkohol umgewandelt wurde. Star dieser Gruppe ist der Riesling, weil er die Süße durch resche Säure harmonisch ausbalanciert und auch bei niedrigem Alkohol immer genügend Geschmack und Aroma mitbringt. Die fade Welle der 80er, die Weinsurrogate wie den toskanischen „Galestro“ durch Deutschland schwappen ließ, ist vorbei; eine Reihe besserer und relativ leichter weißer Norditaliener – Soave, Lugana – verdient dennoch Erwähnung.

Champagner geht immer, aber im Sommer drängen auch preisgünstigere Perlweine nach vorn. Marktführer ist der italienische Prosecco. Alternativen gibt es aus Deutschland und Österreich, auch Exoten wie der argentinische „Septiembre“ (Fotos: Promo) sind im Kommen.

Rotweinfreunde schwenken im Sommer meist auf Rosé um. Der Blick aufs Etikett vor dem Kauf ist obligatorisch: In manch vermeintlich leichtem Franzosen oder Italiener steckt Alkohol ohne Ende. Eine Alternative sind die süddeutschen Weißherbste, und zunehmend drängen auch die erfolgreichen spanischen Erzeuger mit Rosé-Neuschöpfungen auf den Markt, die die geschmacksneutralen französischen Klassiker aus Tavel oder den Côtes de Provence zumindest qualitativ übertreffen. Hardcore-Rosé-Trinker greifen gleich zu Johann Schwarz´ österreichischem Kultwein „The Butcher“, schön kalt, damit die 16 Grad Alkohol nicht so auffallen. Das schnelle Ende jeder Gartenfete ist damit garantiert.

Oder doch Rotwein? Es sollte einer sein, der seine Qualitäten leicht gekühlt entwickelt, und da ist der Griff zum Beaujolais nahe liegend – aber einem seriösen. Nicht geeist, aber auf normaler Kühlschranktemperatur kommt er ins Glas – die Sonne bringt ihn in den optimalen Bereich.

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