Wirtschaft : Fiat bekennt sich nicht zu Italien

Vorstandschef Marchionne verspricht Regierungschef Monti kaum mehr als einen Arbeitskreis. Zwei Werke hält er für überflüssig.

von
Mit verschränkten Armen stellt sich Marchionne weit weg von Monti. Foto: Reuters
Mit verschränkten Armen stellt sich Marchionne weit weg von Monti. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Rom - Es war ein Krisentreffen des Formats „extra lang“: Fünf Stunden saßen die Spitzen des Fiat-Konzerns und Italiens Regierungschef Mario Monti am Sonnabend beisammen. Herausgekommen sind ein gemeinsames Statement und das Versprechen, einen Arbeitskreis einzurichten. Der Rest: wolkige Formulierungen und keineswegs die Klärung, die Monti erreichen wollte, als er die Konzernchefs zu sich zitierte.

Vor zwei Wochen hatte Fiat-Chef Sergio Marchionne mitgeteilt, sein vor zwei Jahren so pompös angekündigtes Projekt „Fabrik Italien“ sei gestorben. 20 Milliarden Euro an Investitionen im Stammland des Konzerns hatte er bis 2014 versprochen; die Autoproduktion sollte auf 1,4 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verdoppelt werden. Stattdessen, so Marchionne, sei es angesichts der Krise „nicht mehr möglich, sich auf ein Projekt von vor zweieinhalb Jahren zu beziehen“.

Die Lage ist dramatisch: In vier von fünf Werken sind die Beschäftigten auf Kurzarbeit gesetzt; nächstes Jahr allerdings fallen 7000 Beschäftigte wegen Zeitablaufs aus dieser Unterstützung heraus, und der Rest der 23 000 italienischen Arbeiter fürchtet ohnehin um den Job. Bei Pkw ist die Nachfrage nach Fiat auf ihren historischen Tiefpunkt abgestürzt. Besserung sieht selbst Marchionne erst 2014. Und alle argwöhnen, Fiat bereite in Wahrheit schon den Abzug aus Italien vor.

Dementiert ist das auch nach dem Krisentreffen beim Regierungschef nicht. Fiat verspricht lediglich, „in Italien industriell präsent bleiben“ zu wollen. Vom künftigen Umfang dieser Präsenz ist keine Rede. Ein Werk hat Fiat vor einem Jahr schon geschlossen. „In amerikanischem Blickwinkel“, sagte Marchionne unlängst, seien zwei weitere Werke überflüssig. Gewinn macht der Konzern zu 85 Prozent in den USA, wo Chrysler satte Rendite abwirft, sowie in Südamerika.

Marchionne hat sich während der Krise geweigert, neue, verkaufsfördernde Modelle zu bringen. Das wäre „verbranntes Geld“, sagte er. Andere Autohersteller haben das aber getan. Bei Monti hat er nun versichert, in Italien wolle man „im geeigneten Moment“ investieren. Vorderhand will er staatliche Unterstützung beim Export in Wachstumsmärkte außerhalb der EU. Näheres wollen Regierung und Konzern in ihrem Arbeitskreis aushandeln. Paul Kreiner

0 Kommentare

Neuester Kommentar