• Fiat-Beschäftigte streiken für ihre Arbeitsplätze Mehr als 8000 Stellen werden gestrichen – bis auf weiteres

Wirtschaft : Fiat-Beschäftigte streiken für ihre Arbeitsplätze Mehr als 8000 Stellen werden gestrichen – bis auf weiteres

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Rom (mig/dpa). Guglielmo Epifani ist außer sich vor Wut. „Jetzt ist es heraus und wir sind stinksauer!“ Der Sekretär des größten italienischen Gewerkschaftsverbandes CGIL lässt weder an Silvio Berlusconi noch an den Managern des Autokonzerns Fiat ein gutes Haar. Denn der Abbau von 8100 Arbeitsplätzen beim angeschlagenen italienischen FiatKonzern ist ungeachtet der hartnäckigen Proteste der Belegschaft beschlossene Sache. Nachdem am Vorabend die Verhandlungen zwischen Konzern-Führung und Gewerkschaften endgültig gescheitert waren, gingen auch am Freitag am Firmensitz in Turin wieder Tausende Fiat-Arbeiter auf die Straße. Vom kommenden Montag an werden wie geplant zunächst 5600 Stellen, die restlichen dann 2003 gestrichen. Die Gewerkschaften kündigten einen landesweiten Streik in den Fiat-Werken an.

Fiat erklärte, mit den Stellenkürzungen könnten 2003 mehr als eine Milliarde Euro gespart werden. Zwischen 2003 und 2005 sollen zudem jährlich 2,6 Milliarden Euro in neue Modelle und eine Neuordnung der Geschäftsstruktur investiert werden. Die Verhandlungen zwischen Regierung, Gewerkschaften und Fiat fanden am Sitz des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi statt, der „die Rettung eines wichtigen Elements der italienischen Geschichte” feierte.

Große Worte, denen aber, so Gewerkschaftschef Epifani, „nur lächerliche Taten folgen werden“. Manager und Regierung einigten sich auf Investitionsbeihilfen. Finanziert werden unter anderem Projekte, die, wie es hieß, „innovativ auf die Produkte von Fiat wirken sollen“. Die Entwicklung neuer Automodelle, die auf dem internationalen Markt bestehen können, soll vorangetrieben werden. 60 Millionen Euro will die Regierung für die Fiat-Niederlassung im sizilianischen Termini Imerese zur Verfügung stellen. Damit sollen Fortbildungsmaßnahmen finanziert werden. Gleichzeitig will die Regierung für die Kosten der geplanten Entlassungen aufkommen.

Anders als in Deutschland existiert in Italien kein gesetzlich geregeltes Arbeitslosengeld. Stattdessen gibt es ein Lohnausgleichssystem, das von Fall zu Fall ausgehandelt werden muss. In der Regel werden diese Lohnausgleichszahlungen für die Dauer eines Jahres gezahlt. Danach bleiben die Arbeitslosen ohne Geld.

In Zusammenarbeit mit den Fiat-Managern wurden verschiedene Formeln für Lohnausgleichszahlungen gefunden, die aber, so Gewerkschaftsführer Epifani, „nur darüber hinwegtäuschen sollen, dass die Regierung den Massenentlassungen zugestimmt hat“. Teil des Abkommens zwischen Fiat und der Regierung ist auch das „Paket Entlassungen“. Dabei werde den Arbeitern „lauwarm versichert, vielleicht vor dem Ende der Lohnausgleichszahlungen wieder eingestellt zu werden“, meint Gewerkschafter Epifani. Versprochen worden ist dagegen nichts. Darum drohen die Gewerkschaften jetzt mit Streik.

Der neue Vorstandsvorsitzende der deutschen Fiat Automobil AG, Klaus Fricke, hat sich unterdessen gegen eine Fusion des italienischen Auto-Herstellers mit den europäischen Töchtern von General Motors ausgesprochen. „Fiat wird noch lange ein unabhängiges Automobilunternehmen bleiben“, sagte Fricke am Freitag. Weil Fiat Teil des italienischen Nationalstolzes sei, werde an einer nationalen Lösung gearbeitet, die auch bei den Banken Unterstützung finde.

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