Wirtschaft : Fiat setzt für den Heimatmarkt auf den Punto

TURIN (zel/HB). Auch ein wenig erfolgreiches zweites Quartal läßt die Fiat-Führung nicht an der Richtung des Kurses zweifeln. "Derzeit haben wir nur konjunkturelle Probleme, die aber schon bald gelöst sein werden", sagte gestern in Turin Paolo Cantarella, Chief Executive Officer von Fiat, bei der Vorstellung des neuen Kleinwagens Punto. Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchte die Personenwagen-Sparte von Fiat einen Verlust von 108,9 Mill. Euro. Bis Ende Juni war mit keiner entscheidenden Besserung des Ergebnisses zu rechnen.Cantarella kündigte an, daß der italienische Hersteller nach dem Jahr 2005 aus eigener Kraft eine jährliche Produktionszahl von vier Mill. Pkw erreichen werde. Fiat brauche dazu keine Fusionen. Die Steigerung der Produktion sei vor allem über einen Ausbau der Werke in Schwellenländern wie Argentinien oder Brasilien zu erreichen."Außerdem werden wir jede sich bietende Nische nutzen", betonte der Fiat-Chef. Der gesamte Konzern stecke sich jedoch nicht nur im Autogeschäft neue Wachstumsziele. Alle anderen Sparten wie etwa der Landmaschinenbau oder die Lkw sollten gleichfalls zulegen. Auf der Kostenseite will der italienische Pkw-Hersteller im Vergleich mit den Konkurrenten neue Maßstäbe setzen. Ein verbessertes Baukastensystem ("Space frame") soll Einsparungen bis zu 30 Prozent möglich machen. Die Technik wird wahrscheinlich erstmals beim neuen Modell Bravo/Brava vom Jahr 2001 an in der Produktion eingesetzt.Aktuell setzt der Fiat-Konzern jedoch seine Hoffnungen auf die neue Version des Kleinwagen Punto. Nach Angaben von Fiat-Auto-Chef Roberto Testore wird der Konzern von dem neuen Modell jährlich zwischen 600 000 und 700 000 Autos produzieren. "Die Hälfte geht davon ins Ausland", sagte er. Der Punto soll dafür sorgen, daß Fiat auf dem Heimatmarkt in Italien seine alte Bedeutung wiedererlangt. Der Konzern aus Turin ist in diesem Jahr beim Marktanteil erstmals unter die Marke von 40 Prozent gefallen. Für Europa rechnet Fiat mit einem Marktanteil von sechs Prozent. Testore kündigte eine anhaltende Erneuerung der gesamte Produktpalette im Fiat- Konzern an. Der Punto sei der sechste von 19 neuen Modellen, die bis zum Jahr 2002 vorgestellt würden (die anderen Konzernmarken Lancia und Alfa Romeo eingeschlossen). Dafür würden insgesamt 10 Mrd. Euro investiert, die Entwicklung des neuen Punto kostete 700 Mill. Euro. Fiat Auto verwandle sich auf diesem Weg in ein globales Unternehmen. "Wir werden Fahrzeuge für jeden Markt produzieren", betonte der Auto-Chef.Bereits am Sonntag abend feierte Fiat die Konzerngründung vor 100 Jahren. Ehrenpräsident Giovanni Agnelli sprach vor 3000 geladenen Gästen von "Unsicherheiten" und "großen Chancen", auf die sich das Unternehmen einstellen müsse. Wenn sich für Fiat kein geeigneter Partner finde, werde das Unternehmen weiterhin den Alleingang versuchen. Die Italiener waren zu Jahresbeginn mit ihrem Versuch gescheitert, Volvo zu übernehmen.

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