Wirtschaft : Fiat: Will der Agnelli-Clan das Unternehmen loswerden?

Werner Raith

Dass sich Silvio Berlusconi und die Familie Agnelli absolut nicht ausstehen können, hat eine lange Tradition - die Turiner Autobauer sehen sich als industrieller Uradel und betrachten den Mailänder Medienunternehmer als eher ungehobelten Emporkömmling. Der sieht das als versnobbte Arroganz an, zeigt aber dennoch mitunter einen ansehnlichen Komplex und lässt nichts unversucht, den Agnellis ihre Geschäfte zu vermasseln. Wie möglicherweise diesmal: Dabei geht es nicht um irgendeinen Millionendeal, sondern ums Eingemachte - und das Image der Agnellis als Herolde des italienischen Familienkapitalismus. "Panorama", das Flaggschiff der berlusconischen Politmagazine, hat soeben einen angeblichen Plan enthüllt, mit dem sich der Agnelli-Clan entgegen allen Versprechungen möglicherweise des gesamten Fiat-Konzerns entledigen und dabei Kasse machen will - zu Lasten unzähliger Kleinaktionäre.

Formal handelt es sich dabei um eine beiläufige "Rationalisierung": die Fiat-Aktiengesellschaft soll mit den beiden Agnelli-Holdings Ifil und Ifi, die die Mehrheit am Autokonzern halten, vereinigt werden. Das aber macht, so rechnet "Panorama" vor, nur Sinn, wenn man ganz, ganz viel Geld aus dem Geschäft ziehen - oder einen guten Kaufpreis erzielen will, denn Fiat bekäme durch die Vereinigung mit den beiden Finanzgesellschaften viel Geld in die Kassen. Doch da ist noch mehr: der Agnelli-Clan besteht ja mittlerweile aus mehr als 150 Mitgliedern, und sie alle wollen bei einem Verkauf befriedigt werden. Bei der derzeitigen Sachlage bekämen Ifil und Ifi, die jeweils zu 30 Prozent an Fiat beteiligt sind, von einem Verkauf der Fiat AG nur jeweils ein knappes Drittel, der Rest ginge an 40 Prozent andere Aktionäre, vor allem Kleinanleger - und der Erlös wäre bei Ifil und Ifi auch noch der Verfügung des dortigen Aufsichtsrates unterworfen, auf den die Agnellis nur partiellen Einfluss haben. So soll derzeit die Chase Manhattan Bank einen Plan studieren, wie die Agnellis in weitaus höherem Maße vom Verkauf profitieren könnten: Danach würden die Fiat-Aktien zeitweise einfach vom Aktienmarkt genommen. Den Kleinaktionären, die so nicht mehr von Kursgewinnen profitieren könnten, wäre ein Kaufangebot zu machen, und danach könnten die Agnellis die Firma faktisch freihändig verkaufen und den gesamten Erlös einstecken.

Da Fiat die Enthüllung nur lahm dementiert, legte "Panorama" denn auch unverzüglich nach: Die seit der Fusion mit General Motors im Frühjahr laufenden Manöver, so das Magazin, deuteten schwer darauf hin, dass das Ganze in Wirklichkeit eine Art verzögerter Verkauf war: eine Transaktion, die zunächst aussieht wie eine ausgewogene Vereinigung, dann aber durch den Ausstieg eines der beiden Partner de facto eine Veräußerung wird. Die Chefs von General Motors haben sich bei ihren letzten Umstrukturierungsmaßnahmen jedenfalls so verhalten, als seien sie bereits alleinige Herren über Fiat.

Natürlich ist die Aufregung über all das groß - bei den Gewerkschaften, denen Patriarch Gianni Agnelli feierlich "Fiat bleibt italienisch" versprochen hatte, bei den Kleinaktionären und entsprechend auch bei den Börsianern. Zumal böse Zungen auch schon Termine für den Coup streuen: Wenn möglich, soll er steigen, wenn Schumacher mit seinem Ferrari, ebenfalls im Eigentum der Agnellis, die Formel 1 gewinnt - dann werde man den Turiner Magnaten alles verzeihen.

Angeblich sollte die Aktion früher stattfinden - Ende der vergangenen Fußballsaison, mit dem Gewinn des 24. Meistertitels durch Agnellis Mannschaft Juventus Turin. Doch die Kicker verfehlten im letzten Spiel das Ziel, und so musste auch das Supergeschäft vertagt werden. Und Berlusconis Medien streuen weiter Salz in die Wunden.

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