Wirtschaft : Fidelity setzt auf Aktien aus Euroland

ANKE REZMER (HB)

FRANKFURT (MAIN) .Der größte Vermögensverwalter der Welt, Fidelity, möchte Anleger mit den großen Firmen des künftigen Eurolands vertraut machen.Das US-Investmenthaus legt Ende September einen neuen Investmentfonds auf, der in Aktien von Großunternehmen der elf Länder der Währungsunion investiert."Der Fidelity Euro Blue Chip Fund ist konzipiert als Kernprodukt für Anleger, die aus dem heimischen Markt herauswollen, um von den Vorteilen der Eurozone zu profitieren", sagt Alexander Scullock, Leiter Europa-Research bei Fidelity und Manager des neuen Fonds, gegenüber dem "Handelsblatt".

Der neue, in Ecu aufgelegte Fonds soll eine konservative Ausrichtung erhalten: Scullock will quer durch die Branchen rund 100 Blue-chips auswählen, die von der Währungsunion überdurchschnittlich stark profitieren werden.Wegen der breiten Streuung bleibe das Risiko für den Investor überschaubar.Scullock sucht gemäß der Strategie des Hauses als Stockpicker nach einzelnen attraktiven Aktien.

Überdurchschnittliche Gewinnaussichten räumt Scullock dem finnischen Telekommunikationsanbieter Nokia ein.Die Firma verfüge neben einer Spitzentechnologie bereits über eine starke Marke.Nokia werde seine interessanterweise in etablierten Märkten wie Europa stark gewachsene Position auch langfristig weiter ausbauen, meint Scullock.In der Branche gefällt ihm außerdem Mannesmann.Ein Beispiel für eine unterbewertete Firma ist für den Fidelity-Mann die niederländisch-schwedische Akzo-Nobel.Bereits stark in der Pharmasparte, konzentriere sich das Unternehmen nun aufs Kerngeschäft, wie auf die aussichtsreiche Gesundheitsvorsorge.Als potentiellen Übernahme-kandidaten im wohl noch konsolidierenden Bankensektor Italiens nennt Scullock die Banca di Roma, deren Management den Turnaround geschafft habe.

Auf Basis interessanter Einzeltitel gelangt der Fondsmanager schließlich zu einer Branchengewichtung.Messen will er sich mit dem MSCI-EMU-Index und zum überwiegenden Teil nahe an dieser Benchmark investieren.Aktuell wären es sogar 90 Prozent.Banken, die im MSCI mit fast 30 Prozent den größten Anteil haben, gewichtet Scullock allerdings derzeit unter."Wir haben von unseren Rußland- und Lateinamerika-Analysten frühzeitig den Tip bekommen, gerade deutsche und österreichische Banken herunterzufahren", sagt Scullock.Allerdings könne sich das rasch wieder ändern, meint er.Dagegen findet er die margenträchtigen Dienstleister mit 25 Prozent im Index etwas niedrig bewertet.An dritter Position im MSCI stehen Energiewerte mit 15 Prozent.Die Orientierung am Index ergebe auch eine entsprechende Ländergewichtung im Fonds, so daß Scullock relativ viel Kapital in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien investieren werde.

Mit dem neuen Fonds profitiere der Investor vom globalen Branchenresearch des Hauses, nennt Scullock den seiner Ansicht nach besonderen Vorteil des Fidelity-Produktes.Im seinem europäischen Research kümmerten sich 50 Branchenanalysten um beinahe 2000 Unternehmen, die insgesamt etwa 90 Prozent.der Marktkapitalisierung Europas ausmachten.

Der Schlüssel zum Erfolg sei jedoch die globale Analyse einzelner Werte: "Jedes Argument für oder gegen ein Unternehmen prüfen wir, indem unsere Analysten weltweit die jeweiligen Konkurrenten vor Ort befragen", erklärt Scullock, der seit fünf Jahren bei Fidelity Research betreibt.So erhalte er ein systematisches Bild über jedes Unternehmen, was er als seinen Vorteil bei der Portfolioauswahl beschreibt.

Der künftige Euroraum biete den Anlegern trotz Finanzkrise gute Investment-chancen, meint Scullock - auch, weil sie die Enge nationaler Märkte hinter sich ließen.Die Fondsdaten: WKN 989524, Ausgabeaufschlag 5,25 Prozent, Verwaltungsgebühr 1,5 Prozent pro Jahr, Mindestanlage 4000 DM.

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