Wirtschaft : Fielmann-Police soll Kunden binden

Finanzaufsicht will neue Brillenversicherung prüfen/Gewinn und Umsatz brechen ein

Heike Jahberg

Berlin – Die Gesundheitsreform macht der Optikerkette Fielmann schwer zu schaffen. Im dritten Quartal brach der Überschuss verglichen mit dem Vorjahr um knapp 44 Prozent auf 9,2 Millionen Euro ein, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Auch der Umsatz ging merklich zurück. Er verschlechterte sich um mehr als 20 Prozent auf 155 Millionen Euro.

Als alleinigen Grund für den Rückgang nannte Fielmann die Auswirkungen der Gesundheitsreform. Seit dem 1. Januar zahlen die Kassen Zuschüsse für Brillen nur noch für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr. Erwachsene bekommen Geld von der Kasse nur noch dann, wenn sie schwer sehbehindert sind. Daher hatten sich viele Erwachsene im vergangenen Jahr noch Brillen oder Sehhilfen auf Kassenkosten verordnen lassen. Wegen dieser Vorzieheffekte habe die gesamte Branche mit Umsatzeinbußen von 30 Prozent zu kämpfen, betonte Fielmann. Verglichen damit stehe man selbst noch gut da. Die Börse schloss sich dieser Sicht der Dinge an. Die im M-Dax notierte Aktie legte am Donnerstag um 4,63 Prozent auf 52,19 Euro zu.

Dennoch hat auch Fielmann Federn lassen müssen. Im dritten Quartal sank der Gewinn vor Steuern von 26,1 Millionen Euro auf 14,67 Millionen Euro. Damit entwickelte sich dieses Quartal schlechter als die Vierteljahre zuvor. In den ersten neun Monaten des Jahres musste Fielmann insgesamt einen Umsatzrückgang um 12,6 Prozent auf 481 Millionen Euro hinnehmen, der Gewinn vor Steuern ging von 71,7 Millionen Euro auf 52,8 Millionen Euro zurück. Für das gesamte Jahr hält Europas größte Optikerkette aber dennoch an dem Ziel fest, vor Steuern einen Gewinn von 70 Millionen Euro zu erreichen. Im vergangenen Jahr hatte der Vorsteuergewinn bei 112 Millionen Euro gelegen.

Um die Kunden stärker an sich zu binden, bietet Fielmann seit kurzem eine spezielle Brillenversicherung an. Das mit der Hanse-Merkur entwickelte Produkt deckt im Wesentlichen die Leistungen ab, die früher von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen worden waren. Die Versicherung kostet zehn Euro im Jahr für Einstärkengläser und 50 Euro im Jahr, wenn die Gläser unterschiedliche Stärken haben. Dafür bekommt man alle 24 Monate eine neue Brille. Verändert sich die Sehkraft um mindestens 0,5 Dioptrien, gibt es auch schon früher eine neue Sehhilfe. Dasselbe gilt, falls die Brille beschädigt wird. Auswählen kann der Kunde jedoch nur aus einem beschränkten Sortiment, dem „Nulltarif-Sortiment“. Dieses umfasst im wesentlichen die früheren Kassenbrillen. Wer eine andere Fassung oder höherwertige Gläser möchte, bekommt von der Versicherung einen Zuschuss von 15 Euro für Einstärken- und von 70 Euro für Mehrstärkenbrillen.

Fielmann und die Hanse-Merkur rechnen mit einem starken Ansturm auf die Versicherung. Erwartet werden rund 100 000 Abschlüsse bis zum Jahresende. Bundesweit wird die „Nulltarif-Versicherung“ seit rund zwei Wochen angeboten. Die Hanse-Merkur, ein mittelständischer Versicherer, erhofft sich durch die Kooperation mit Fielmann starke Werbeeffekte. Vorwürfe, diese Werbeeffekte würden durch eine zu niedrige Versicherungsprämie erkauft, weist Fielmann-Sprecher Ulrich Brockmann jedoch entschieden zurück. Die Kalkulation entspreche im Wesentlichen den früher in der gesetzlichen Krankenversicherung geltenden Grundsätzen.

Dennoch wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Auge auf die Brillenversicherung werfen. „Die Versicherung darf auf Dauer kein Verlustgeschäft sein“, sagte ein Sprecher der Finanzaufsicht. Allerdings müssen neue Tarife seit der Deregulierung des Versicherungsmarktes nicht mehr von der Behörde vorab genehmigt werden.

Verbraucherschützer beurteilen das Angebot zwiespältig. „Für Privatpatienten ist das Angebot völlig überflüssig“, heißt es im neuen Finanztest-Heft (12/2004) der Stiftung Warentest. Der Grund: Wer privat versichert ist, hat einen über das Fielmann-Angebot hinausgehenden Schutz. Bei Privatpatienten zahlt die Krankenversicherung weiterhin für alle verordneten Sehhilfen. Für gesetzlich krankenversicherte Brillenträger, die keinen Wert auf eine größere Auswahl legen oder für „Schussel, denen ihre Brille häufig kaputt geht“, sei die „Nulltarif-Versicherung“ dagegen durchaus „lohnenswert“, meinen die Tester.

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