Wirtschaft : Fifa kommt mit einem blauen Auge davon

Sponsoren reagieren auf BGH-Urteil gelassen

Heike Jahberg

Berlin - Die Sponsoren der Fußball-Weltmeisterschaft (WM) haben am Freitag gelassen auf das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) reagiert, das den Markenschutz für den Begriff „Fußball WM 2006“ aufgehoben hatte. „Die Werbung mit diesem Begriff ist für uns nicht so wichtig“, sagte Telekom-Sprecher Matthias Schumann. An eine Rückforderung der Lizenzgebühren sei nicht gedacht. Auch Adidas, wie die Telekom einer der 15 internationalen Sponsoren des Turniers, findet die Werbung mit der Wortmarke „Fußball WM 2006“ nicht so relevant.

Der BGH hatte am Donnerstag entschieden, dass die Fifa die Marke „Fußball WM 2006“ nicht markenrechtlich schützen lassen kann. Die Konsequenz: Auch Unternehmen, die nicht zu den Lizenznehmern der Fifa gehören, dürfen ab sofort mit diesem Begriff werben. Doch allenfalls kleine, lokale Unternehmen werden dieses in den letzten Wochen vor der WM noch tun. „Wir werden nicht mehr kurzfristig umdisponieren“, sagt Frank Busch vom Brauereikonzern Brau und Brunnen (Jever, Schultheiss). Auch der Süßwarenhersteller Haribo bietet zwar spezielle Fußball-Mischungen an, wirbt jedoch nicht mit der WM. Selbst die Firma Ferrero („Duplo“, „Hanuta“, „Nutella“), die das BGH-Urteil erstritten hatte, wird auf ihre Produkte nicht den Begriff „Fußball WM 2006“ aufdrucken: „Die Ware ist schon draußen, dafür ist es jetzt zu spät“, heißt es auf Anfrage.

Was die Werbung weiter erschwert: Nach dem Urteil des BGH sind viele rechtliche Fragen noch offen. So hat das Gericht die Entscheidung über die Marke „WM 2006“ an das Bundespatentgericht verwiesen. Hinzu kommt, dass die Fifa „WM 2006“ und andere Begriffe nicht nur in Deutschland, sondern auch als europäische Gemeinschaftsmarken beim Gemeinschaftsmarkenamt in Alicante angemeldet hat. Zwar laufen auch hier Löschungsanträge, doch dürfte über die vor der WM nicht mehr entschieden werden, warnt der Münchner Patentrechtsanwalt Patrick Baronikians: „Völlige Rechtssicherheit hat nach wie vor nur, wer einen Lizenzvertrag mit der Fifa abschließt.“

Das haben die Sponsoren des Turniers getan. 750 Millionen Euro haben sie dafür an die Fifa bezahlt, allein die Telekom soll mit 45 Millionen Euro dabei sein. Dennoch ist nicht bekannt, dass einer der Beteiligten unter Berufung auf das BGH-Urteil von der Fifa einen Teil seines Geldes zurückhaben will. Der Telekom sind andere Privilegien wichtiger: die Namensrechte, die Bandenwerbung und vor allem die Präsentation der Fußball-Sendungen im Fernsehen. Zudem hat die Telekom 25 000 Eintrittskarten für die Spiele bekommen. „Außerdem dürfen wir für jedes Spiel Kinder benennen, die die Fifa-Fahne aufs Spielfeld tragen“, sagt Schumann.

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