Wirtschaft : Filialkette Photo Porst meldet Insolvenz an

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Berlin (fo). Die angeschlagene Filialkette Photo Porst AG hat nach Angaben ihrer Muttergesellschaft Pixelnet am Montag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Porst verfügt nach früheren Angaben über rund 200 eigene Geschäfte im Bundesgebiet und arbeitet mit etwa 2000 Verkaufsstellen zusammen. Pixelnet hat ihren Sitz in Wolfen (Sachsen-Anhalt) und beschäftigt konzernweit inklusive Photo Porst mehr als 1400 Mitarbeiter. Verhandlungen mit potenziellen Partnern seien in der vergangenen Woche ohne Ergebnis geblieben, hieß es am Montag weiter. Am 13. Juni hatten Pixelnet-Vorstandschef Matthias Sawatzky und Finanzvorstand Arno Waschkau bereits ihre Ämter niedergelegt, um Verhandlungen mit Investoren zu erleichtern.

Der am Neuen Markt gelistete Fotodienstleister Pixelnet teilte am Montag weiter mit, vor dem Hintergrund sinkender Umsätze könne der zusätzliche Finanzbedarf für eine notwendige Fortsetzung der Restrukturierung und für den Ausbau des Digitalen Fotogeschäfts in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht mehr sichergestellt werden. Die geschäftlichen und finanziellen Auswirkungen der Photo-Porst-Insolvenz auf die Pixelnet würden in den kommenden Tagen unter Leitung des früheren Pixelnet-Finanzvorstands Gerhard Köhler intensiv geprüft. Immerhin dominiert Porst mit seinem großen Geschäftsvolumen die gesamte Pixelnet-Gruppe.

Köhler tritt den Angaben zufolge die Nachfolge von Matthias Sawatzky als Vorstandsvorsitzender an. Für das erste Quartal dieses Jahres meldete Pixelnet bei steigendem Umsatz einen Verlust von 7,8 Millionen Euro, was einer Zunahme von 170 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. Für das Gesamtjahr 2001 hatte das Unternehmen noch einen Jahresüberschuss von 3,3 Millionen Euro verbucht, der Umsatz lag bei 217 Millionen Euro.

Pixelnet hatte den Foto-Filialisten Photo Porst im Februar 2001 übernommen und zum 19. Februar konsolidiert. Pixelnet richtete in den Porst-Filialen digitale Annahmestationen für die Dienste von Pixelnet ein, um so eine Verbindung zwischen dem herkömmlichen und dem Online-Fotogeschäft zu schaffen. Pixelnet entwickelt unter anderem herkömmliche Filme, brennt sie auf Wunsch auf CD und bietet Speicherplatz im Internet an. Von hier aus können die Fotos bearbeitet, verwaltet und versendet werden. Andersherum bietet das Unternehmen auch den Service, Abzüge von digitalen Bilddateien zu fertigen.

Die Übernahme der Photo-Porst-Kette durch Pixelnet galt als ungewöhnliches Geschäft. David kaufte Goliath, weil Pixelnet damals gerade mal 23 Millionen Euro Umsatz machte, Porst dagegen auf etwa 250 Millionen Euro kam.

Durch den Rücktritt von Sawatzky und Waschkau vor zwei Wochen sollten strukturelle Veränderungen unterstützt und laufende Investorengespräche positiv beeinflusst werden. Damit hatte Pixelnet den Weggang Sawatzkys begründet. Waschkau sollte sich wieder ausschließlich auf seine Funktion als Finanzvorstand der Tochter Photo Porst konzentrieren. Im gleichen Zusammenhang stand auch die Beendigung der Aufsichtsratsämter von Klaus-Dieter Höh und Günther Bocks, die laut Pixelnet ihre Aufsichtsrats-Funktion bei der Tochtergesellschaft aber weiter ausübten.

Die Pixelnet-Aktien wurden wegen der Mitteilung am Montag vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Zuvor hatten sie rund sieben Prozent auf 53 Cent verloren und damit ihren seit Tagen anhaltenden Abwärtstrend fortgesetzt. Die Investmentbank HSBC Trinkaus&Burkhardt hatte nach dem Rücktritt der beiden Vorstände die Pixelnet-Aktien auf „Verkaufen“ herunter gestuft und ein Kursziel von 50 Cent genannt. Die Analysten verwiesen auf die deutlich gesunkenen Liquiditätsbestände und schlossen eine Insolvenz von Pixelnet nicht mehr aus. Am Donnerstag und Freitag hatte der Aktienkurs insgesamt mehr als 30 Prozent an Wert verloren.

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