Wirtschaft : Filialsterben der Banken geht weiter

Verbandspräsident Breuer erwartet Abbau von 40 000 Arbeitsplätzen / Massive Kritik an den Plänen der Bundesregierung

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Frankfurt (Main) (ro). Bei den privaten deutschen Banken ist nach Ansicht des Bankenpräsidenten Rolf Breuer ein weiterer massiver Personalabbau unumgänglich. Die Institute hätten zwar den Ernst der derzeitigen Krise erkannt und reagiert. Der Umfang der festgezurrten Stellenstreichungen und die bisherigen Filialschließungen reichen nach Ansicht von Breuer aber bei weitem nicht aus: „Die Zahl der Arbeitsplätze muss weiter reduziert werden. In Frankreich kommen 157 und in Italien sogar 170 Einwohner auf einen Bankangestellten. In Deutschland sind es nur 109.“ Lege man diese Zahlen zuGrunde, müssten die Banken weitere 30 Prozent aller Stellen abbauen.

Bereits jetzt steht fest, dass allein die deutschen Großbanken bis Ende 2003 annähernd 40 000 Arbeitsplätze streichen werden. Nach wie vor weisen die meisten Banken nach Ansicht von Breuer ohnehin eine unzureichende Betriebsgröße auf. „Verstärkte Kooperationen und auch Zusammenschlüsse sind deshalb dringend geboten, gerade in schlechten Zeiten“, sagte Breuer. Nur so könne in Deutschland ein dauerhaft wettbewerbsfähiges Bankenwesen entstehen.

Dabei dürfen nach Ansicht des Bankenpräsidenten auch Kooperationen und Fusionen über die Grenzen von Sparkassen, Volksbanken und privaten Instituten hinaus nicht länger tabu sein: „Das schränkt den Wettbewerb nicht ein, sondern schafft neue Potenziale zur Senkung der Kosten und zur Steigerung der Effizienz.“ Die privaten Banken seien zu solchen Schritten bereit. Vor allem auf kommunaler Ebene müsse sich die Politik als Eigentümer der Sparkassen endlich bewegen. Zudem müsse das Sparkassengesetz geändert werden.

Die Koalitionsvereinbarungen der rotgrünen Bundesregierung kritisierte der Bankenverband als konzeptionslos. Die Erschließung neuer Einnahmequellen mit einer noch höheren Belastung von Bürgern und Unternehmen werde als Sparprogramm verkauft. „Von den drei Stufen der Steuerreform bis 2005 wird netto nichts in die Taschen der Bürger gelangen“, sagte Breuer. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, der beim Herbsttreffen des Bankenverbandes bis 2005 im Präsidentenamt bestätigt wurde, beklagt eine massive Schädigung des Standortes Deutschland. Statt auf Ausgabensenkungen und eine Vereinfachung des Steuersystems setze die Regierung auf Steuererhöhungen, höhere Sozialabgaben und mehr Verschuldung. „Jetzt wird den Bürgern sogar ausgetrieben, ihr Geld hier anzulegen“, klagte der Aufsichtratsvorsitzende der Deutschen Bank mit Blick auf die geplante Spekulationssteuer für Aktien und Immobilien.

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