Film : Hollywood dreht in Berlin

Nicht Tom Cruise fühlt sich in Berlin wohl. Die Hauptstadtregion punktet bei der Filmförderung und ist beliebt bei den Kreativen des Fachs.

Sonja Pohlmann

Berlin - Als Hollywood-Star Tom Cruise kürzlich in Berlin und Potsdam Drehorte für seinen neuen Film „Valkyrie“ besichtigte, wurde wieder einmal deutlich: Die Hauptstadtregion zieht die Filmindustrie an. Nur wenige Branchen boomen in Berlin und Brandenburg so sehr wie dieser Wirtschaftszweig. Auch, weil beide Länder hier kräftig investieren: 2006 flossen 20,4 Millionen Euro aus ihren Kassen in die Filmförderung, die zentral vom Medienboard Berlin-Brandenburg gesteuert wird. Gestern präsentierte das Unternehmen, das sich auch um Standort-Marketing kümmert, seine Jahresbilanz.

Danach standen der Institution 2006 insgesamt 26 Millionen Euro für die Filmförderung zur Verfügung. Die Sender ProSieben, Sat1, ZDF und RBB hatten ihre Ländermittel um 5,6 Millionen Euro aufgestockt. „Damit haben wir Bayern im Bereich Filmförderung verdrängt und liegen nun hinter Nordrhein-Westfalen auf Platz zwei der Länderfilmförderer“, sagte Petra Müller, Geschäftsführerin Standort-Marketing. 245 Projekte wurden insgesamt mit diesem Etat gefördert, darunter auch der Oscar-Gewinner „Das Leben der Anderen“. 60,3 Millionen Euro Umsatz wurden so für die Hauptstadtregion erwirtschaftet. Dass der Umsatz damit gegenüber dem Vorjahr um neun Millionen Euro zurückging, liegt an der ersatzlosen Streichung steuerlicher Anreizmodelle – keine einzige amerikanische Großproduktion war deshalb 2006 in Berlin und Brandenburg zu Gast.

„Das wird sich jedoch in diesem Jahr ändern“, sagte Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin Filmförderung. Denn seit Januar 2007 gibt es den Deutschen FilmFörderFonds (DFFF), mit dem wieder internationale Produktionen angelockt werden sollen. Sie können sich vom DFFF 20 Prozent ihrer Kosten erstatten lassen, wenn sie mindestens 25 Prozent ihres Gesamtbudgets in Deutschland ausgeben.

Der Effekt der Filmförderung auf die regionale Wirtschaft betrug allein in den vergangenen sechs Monaten das Vierfache der Investitionssumme. Dazu gehört auch ein positiver Effekt auf dem Arbeitsmarkt: So stellte das „Art-Departement“ vom Studio Babelsberg, das sich auch um Kulissen kümmert, 250 Mitarbeiter neu ein. Während der Flaute hatte es Beschäftigte entlassen müssen.

Das Medienboard erwartet, dass sich der positive Trend in der Filmindustrie bis Ende 2007 fortsetzt. Welchen Beitrag die Länder in die Filmförderung investieren, wird in den aktuellen Haushaltsdebatten verhandelt. Barbara Kisseler, Chefin der Berliner Senatskanzlei, will das Budget erhöhen: „Denn der internationale Wettbewerb in der Filmindustrie wächst.“ Übrigens: Von Tom Cruise hat das Medienboard bisher keinen Förderantrag erhalten. 

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