Filmbranche : Der richtige Dreh

2007 blieben viele Kinos leer, jetzt füllen sich die Säle wieder und ein gutes Jahr steht bevor. Das liegt auch an deutschen Filmen wie "Keinohrhasen".

Juliane Schäuble
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Kassenschlager: Til Schweigers Komödie "Keinohrhasen" mit der ehemaligen MTV-Moderatorin Nora Tschirner sahen schon mehr als drei...Foto: dpa

Berlin - Der Januar macht Mut. Die Kinobranche in Deutschland, noch angeschlagen von der enttäuschenden Bilanz des vergangenen Jahres, hat wenige Tage vor Beginn der Berlinale in Berlin (7. bis 17. Februar) wieder Grund zum Aufatmen. "Die Besucherzahlen haben im Januar wohl knapp 25 Prozent über denen des Vorjahresmonats gelegen", sagt Andreas Kramer, Geschäftsführer von HDF Kino, der größten Interessengemeinschaft der deutschen Kinobetreiber. Thomas Schulz wird noch deutlicher. "Der Januar 2008 könnte einer der drei besten der gesamten Filmgeschichte gewesen sein", erklärt der Sprecher der Multiplex- Kette Cinestar. Der deutsche Marktführer betreibt bundesweit mehr als 90 Kinos und insgesamt rund 600 Leinwände.

Eine Erklärung für den starken Beginn ist Til Schweigers Film "Keinohrhasen", der die Deutschen seit Mitte Dezember in die Kinos zieht. "In den letzten ein, zwei Monaten 2007 ging es stark nach oben mit den Besucherzahlen. Das haben wir natürlich mit ins neue Jahr genommen", sagt Kramer. "Aber wir hatten in dieser Zeit auch Filme wie ,Das Vermächtnis des geheimen Buches’, ,I am Legend’ oder ,P.S. Ich liebe Dich’ mit fast einer Million Zuschauer - das sind Filme, die Besucher in die Kinos locken."

Genau daran, an den Kassenschlagern, scheint es im vergangenen Jahr gefehlt zu haben. Anders lässt sich der Einbruch um mehr als acht Prozent im Vergleich zu 2006 nicht erklären, selbst wenn man die wachsende Konkurrenz durch DVD, Video-on-Demand und Raubkopien berücksichtigt. Aber 2007 zog kein mit der Fußball-WM im eigenen Land vergleichbares Großereignis die Aufmerksamkeit auf sich. Auch war das Wetter - ein möglicher Grund für die Kinounlust - irgendwie auffallend. "Die Filme müssen stimmen, damit die Zuschauer zu uns kommen", sagt Cinestar-Sprecher Schulz. "Ist das nicht der Fall, können wir machen, was wir wollen."

Dabei gab es mit Filmen wie "Harry Potter und der Orden des Phoenix" oder "Die Simpsons" durchaus attraktive Filmangebote. "Aber es kommt auch auf den Zeitpunkt an", betont Schulz. „Wenn viele starke Filme wie im zurückliegenden Hochsommer gleichzeitig anlaufen, dann ist das nicht sinnvoll." Bei einem Überangebot drohe die Gefahr, dass die einzelnen Filme nicht mehr wirklich zu den Zuschauern durchdringen, sagt auch HDF-Geschäftsführer Kramer. "Die Filme dürfen sich gegenseitig nicht kannibalisieren." 2006 gab es 487 Neustarts in Deutschland. 2007 dürften es wieder ähnlich viele gewesen sein. Vor fünf Jahren waren es noch rund hundert Filme weniger.

Offizielle Zahlen für das Vorjahr legt die Filmförderungsanstalt FFA erst kommenden Mittwoch vor. Aber eines ist schon klar: "Das Kinojahr 2007 hat den Erwartungen nicht entsprochen", sagt HDF-Geschäftsführer Kramer. "Aber wir wissen, dass das Kino zyklisch ist." Der HDF vertritt rund 650 Mitgliedsfirmen, die 3300 Leinwände repräsentieren - von insgesamt mehr als 1800 Filmtheatern und rund 4500 Leinwänden. Vorläufigen Berechnungen von Nielsen EDI zufolge kamen 2007 8,2 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr in die Kinos - noch weniger als 2005. Die Einnahmen aus dem Verkauf von knapp 122 Millionen Tickets gingen mit rund 744 Millionen Euro um 6,5 Prozent zurück.

Doch nicht alles war schlecht - immerhin konnten die Deutschen 2007 mit "Das Leben der Anderen“ einen Oscar gewinnen. Generell wächst der Marktanteil des deutschen Films. "2002 hatten wir einen Anteil von 11,9 Prozent, 2006 waren wir bei fast 26 Prozent, und 2007 werden wir mit Sicherheit wieder um die 20 Prozent liegen“, sagt HDF-Geschäftsführer Kramer. Und in diesem Jahr? "Ich glaube, wir werden wieder das tolle Ergebnis von 2006 erreichen.“ Dafür sprechen die Verfilmung von Stefan Austs RAF-Geschichte "Baader-Meinhof-Komplex“ oder der fünfte Teil der "Wilden Kerle“, der am 21. Februar anläuft.

Aber die Hoffnungen ruhen auch auf Hollywood – auf Blockbustern wie dem bereits gestarteten "I am Legend“ mit Will Smith, auf Harrison Ford in "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, oder dem neuen "James Bond“ mit Daniel Craig. "Mit solchen Highlights muss das doch ein heißes Jahr werden“, sagt Kramer. Ob er Recht behält – darüber entscheiden die Kinobesucher.

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