Wirtschaft : Filmfabrik Orwo steht endgültig vor dem Aus

Antrag auf Gesamtvollstreckung / Belegschaft resigniert WOLFEN (dpa).Die Wiege der Filmproduktion in Wolfen steht vor dem endgültigen Aus.Mit dem Antrag auf Gesamtvollstreckung scheint das Schicksal der ostdeutschen Traditionsmarke Orwo in Wolfen besiegelt.Während am Donnerstag nur ein paar Schritte entfernt die sachsen-anhaltische Landesregierung beim US-amerikanischen Investor Guardian Industries eine Erweiterungsinvestition für das neu errichtete Flachglaswerk von 40 Mill.DM feierte und Ministerpräsident Reinhard Höppner Bundesverdienstkreuze an Top-Manager übergab, verabschiedete sich die Filmfabrik Orwo AG sang- und klanglos.Dem Preisdruck in der überbesetzten Branche konnte das Werk nicht standhalten, umriß Vorstandsmitglied Jürgen Brandt die Situation.Fast zeitgleich zur frohen Kunde bei Guardian war die Orwo-Belegschaft über den bevorstehenden Konkurs bei einer Betriebsversammlung informiert worden."Es sollte eben nicht sein, daß der Orwo-Film weiter seinen Platz in den Regalen hat", meinte eine Laborantin.Für 176 Beschäftigte ist der Job verloren.Daß die Wolfener Filmwerker nicht auf Hilfe zu hoffen brauchen, machte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Klaus Schucht deutlich."Wir können nicht damit rechnen, daß andere Hände helfen werden.Wir müssen das akzeptieren, so leid es uns auch tut".Die Belegschaft nahm die Nachricht vom Orwo-Ende resigniert entgegen.Die Zeiten von Protestaktionen und Demonstrationen in der Chemieregion scheinen vorbei."Was soll es auch noch", so eine Angestellte.Erst 1996 hatte es Hoffung für Orwo gegeben.Nachdem die Fabrik nicht als Ganzes an den Investor gebracht werden konnte, übernahm die Unternehmensgruppe Heinrich Mandermann (Jos.Schneider Optische Werke Bad Kreuznach GmbH Co.KG) die Konfektionierung.Auch Pentacon in Dresden gehört zu Manderman.Konzept für Wolfen war es, zumindest die Marke Orwo (Original Wolfen) am Markt zu halten.Filme wurden nicht mehr produziert.Für den Traditionsstandort war diese Variante eine bittere Pille.Immerhin war in Wolfen einst Geschichte geschrieben worden.1936 entwickelte der Agfa-Konzern hier den ersten Farbfilm der Welt.Zu DDR-Zeiten versorgte das Kombinat mit rund 15 000 Mitarbeitern fast den gesamten Ostblock mit Filmmaterial.Seit 1997 liefen Verluste in Millionenhöhe auf, die schließlich von Mandermann nicht mehr ausgeglichen wurden.Angesichts nicht mehr vorhandener Liquidität war der Gang zum Konkursrichter unausweichlich.

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