Wirtschaft : Filtertüte kommt aus Dresden

MINDEN (dpa).Lange schon hatte sich die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz über den unbekömmlichen bitteren Bodensatz ihres Kaffees geärgert.Als wieder einmal ein Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen anstand, sann sie auf Abhilfe.Beherzt griff die 35jährige zu Hammer und Nagel, durchlöcherte damit den Boden eines Messingtopfes, legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes hinein und goß den dampfenden Bohnenkaffee durch diese Vorrichtung.Die Freundinnen waren begeistert - und der Kaffeefilter erfunden.

Vor 90 Jahren, am 20.Juni 1908, erhielt Melitta Bentz dann den Gebrauchsmusterschutz für ihren "Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflußlöchern" nebst "Filtrierpapier".Aus dem Vornamen der erfindungsfreudigen Dresdner Hausfrau entwickelte sich ein Markenname, der weithin zum Synonym für die neue Filtermethode wurde.

Der 13 Zentimeter hohe Messingbehälter war das erste, bald auch seriell gefertigte Produkt der Firma M.Bentz, die im Dezember 1908 in der Privatwohnung der Familie Bentz gegründet wurde.Ihr Startkapital betrug 73 Reichspfennig.Als klassisches Familienunternehmen warben die Eheleute Bentz und ihre beiden Kinder auf Messen und in Geschäften für ihren Kaffeefilter.Mit Erfolg: Bereits 1912 ging eine eigene Filterproduktion in Betrieb.

Das Unternehmen, das 1929 nach Minden übersiedelte, wuchs stetig - und der Kaffeefilter veränderte sein Gesicht.Anfangs aus Metall, wurde er später aus weißem Porzellan gefertigt.In den 50er Jahren waren die pastellfarben glasierten Steingut-Filter in fast jeder Küche zu finden, und seit 1963 setzten sich die hitzebeständigen und unzerbrechlichen Kunststoffilter durch.

Heute steht hinter dem Namen Melitta ein international tätiges Unternehmen, das weltweit mit mehr als 4500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund zwei Mrd.DM erwirtschaftet.An der Spitze der Melitta-Gruppe stehen die drei Enkel der Filtererfinderin: Jörg, Thomas und Stephan Bentz führen das Unternehmen als persönlich haftende Gesellschafter.

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