Wirtschaft : FINANZ ABC: GOLD - Angekratztes Symbol für Stabilität und Wohlstand

THOMAS LUTHER

Seit 1980 geht es mit dem Goldpreis stetig bergabVON THOMAS LUTHER

Bei allen Parallelen, die Experten in diesen Tagen zum Börsen-Crash 1987 ziehen - ein Phänomen hat sich nicht wiederholt: Anders als vor zehn Jahren hat Gold von den jüngsten Kursturbulenzen an den Wertpapiermärkten überhaupt nicht profitiert.Der Kurs des gelben Edelmetalls ist mit etwas mehr als 310 US-Dollar für die 31,1035 Gramm schwere Feinunze sogar auf ein neues Jahrestief gefallen. Keine andere Anlageform übt auf Menschen allerdings eine so große Fazination aus wie Gold.Seit Jahrtausenden gilt es als Inbegriff für Stabilität, Sicherheit und Wohlstand.Das Vertrauen in das gelbe Edelmetall war bis Anfang der siebziger Jahre sogar so groß, daß der Wert der Währungen an das Gold gebunden war.Bis 1944 mußten beispielsweise die Notenbanken in der Lage sein, umlaufende Geldmünzen und Banknoten in Gold umzutauschen.Doch auch nach Abschaffung des Goldstandards galt Gold bei den Anlegern als sicherer Hafen in Krisen- und Katastrophenzeiten und wirksamer Schutz vor Geldentwertung.Doch nach dem historischen Hoch von über 800 US-Dollar im Jahre 1980 geht es mit dem Kurs stetig bergab.Der Grund: Die Goldnotiz wird - wie beim jüngsten Crash zu beobachten - mittlerweile weniger von politischen oder wirtschaftlichen Krisen beeinflußt.Moderate Nachfrage und ein steigendes Angebot bestimmen den Preis.Ausgerechnet die Notenbanken, die in der Vergangenheit das gelbe Metall so fleißig in ihren Tresoren gehortet haben, sind daran nicht unschuldig.Immer mehr Zentralbanken verkaufen nämlich zumindest einen Teil ihrer Goldreserven.Zuletzt hat sogar die für ihrer Stabilität bekannte Schweizer Nationalbank darüber nachgedacht, die Hälfte ihres nicht eben kleinen Goldvorrates loszuschlagen.Trotz eines dahindümpelnden Goldpreises macht das Sinn, denn anders als andere Anlageformen bietet Gold keine laufenden Erträge wie etwa Zinseinnahmen.Kursgewinne sind damit Pflicht, wenn das Goldinvestment eine Rendite bringen soll.Deutsche Anleger können zwar auch noch auf ein Comeback des US-Dollars hoffen, denn wie bei allen Rohstoffen wird der Preis des Goldes in US-Dollar notiert.Doch das kann auch zum Boomerang werden, wenn die amerikanische Währung wieder abstürzt. Häufigste Wahl bei der Goldanlage sind Barren oder Münzen.Die bekanntesten Anlagemünzen sind dabei der südafrikanische Krügerrand, der kanadische Maple-Leaf und der US-Eagle.Ihre Kurse finden sich im Kursteil des Tagesspiegels.Abstrakter ist die Anlage auf sogenannten Goldkonten, -depots oder in Goldzertifikaten.Sie funktionieren alle in etwa nach dem gleichen Prinzip.Statt der Auslieferung effektiver Barren, wird der Eigentumsanspruch des Anleger auf dem Papier verbrieft.Entweder er wird Miteigentümer an einem größeren Goldbestand, der ähnlich wie beispielsweise Aktien in einem Tresor gesammelt verwahrt wird.Oder der Anleger wird Besitzer einer bestimmten Menge Münzen oder Barren, die ebenfalls in einem größeren Bestand zentral verwahrt werden - beispielsweise bei einer ausländischen Bank.Deren Auslieferung kann er aber jederzeit verlangen. Wer es spekulativer mag, kann sich auf den Aktienkauf von Minengesellschaften verlegen, die die Goldförderung betreiben.Erfahrungsgemäß profitieren diese Aktien deutlich schneller und stärker von einem steigenden Goldpreis.Sie bergen aber auch ein höheres Risiko.Wenn das Unternehmen aufgrund der schlechten Preisaussichten die Förderung einstellt oder sich die Mine als unrentabel erweist, geht es mit dem Kurs rapide in den Keller. Bleibt für absolute Zocker noch die Terminbörse.Dort läßt sich nicht nur auf steigende Goldkurse spekulieren, auch aus einem weiteren Preisverfall läßt sich beim Kauf entsprechender Optionen oder Terminkontrakte Profit schlagen.Das Risiko eines Totalverlustes gibt es dann allerdings gratis dazu.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar