Wirtschaft : FINANZ-ABC: SCHATZBRIEFE

MICHAEL BRUNS

Anleger, die sich in der jetzigen Niedrigzinsphase nicht lange binden wollen, sondern eine kurzfristige Alternative suchen, sind mit Finanzierungsschätzen gut beraten.Von MICHAEL BRUNS

Sie werden vom Bund herausgegeben: Der Finanzminister nimmt auf diese Weise kurzfristige Mittel am Kapitalmarkt auf.Die Papiere gibt es für Laufzeiten von einem Jahr sowie zwei Jahren.Im Gegensatz zu Bundesschatzbriefen können sie aber nicht vorzeitig zurückgegeben werden, der Kunde muß also bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit durchhalten.Wer unerwarteterweise doch Bargeld braucht, muß Kredit aufnehmen und das eingezahlte Kapital als Sicherheit anbieten.Da die Kreditzinsen aber in der Regel deutlich über den Guthabenzinsen liegen, ist dies immer mit einem Verlustgeschäft verbunden. Für diese eingeschränkte Flexibilität bietet der Finanzminister als Gegenleistung eine höhere Rendite als beispielsweise bei Bundesschatzbriefen.Einjährige Finanzierungsschätze rentieren derzeit mit 3,20 Prozent, zweijährige mit 3,47 Prozent.Wobei keine laufenden Erträge ausgeschüttet werden, sondern die Titel als abgezinste Wertpapiere angeboten werden: Die Zinsen werden im voraus berechnet und vom Nennwert abgezogen.Der Käufer zahlt also nicht den vollen Nennwert von 1000 DM, sondern beispielsweise 968 DM, erhält aber am Ende der Laufzeit 1000 DM ausgezahlt.Der Differenzbetrag von 32 DM macht den Zinsertrag aus.Er muß bei Fälligkeit des Finanzierungsschatzes versteuert werden.Die Stückelung der Papiere beträgt 1000 DM. Die Papiere sind eine Alternative zu Festgeldanlagen bei Banken und Sparkassen.Die Stiftung Warentest hat festgestellt, daß die Rendite in der Regel über den Zinsen liegt, die die Kreditinstitute für ihre eigenen Anlageformen bieten ­ wenn auch meist nur um wenige Zehntelprozentpunkte.Finanzierungsschätze werden laufend vom Bund herausgegeben.Interessenten können sie über ihre Bank erwerben.Der Kauf ist gebührenfrei. Dasselbe gilt für die Aufbewahrung, wenn der Anleger dies nicht seiner Bank überläßt, sondern ein Konto bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg eröffnet.Entsprechende Formulare halten Banken und Sparkassen für Interessierte bereit.Weil die Kreditinstitute dabei kein Geschäft machen, versuchen viele, solche Kunden abzuwimmeln ­ oft mit fadenscheinigen Argumenten.Fakt ist: Banken und Sparkassen sind zum Verkauf von Bundeswertpapieren verpflichtet. Bei Problemen sollte sich der Kunde beschweren bei der Bundesschuldenverwaltung, Postfach 1245, 61282 Bad Homburg v.d.Höhe, Telefon 0 61 72 / 10 80.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar