Wirtschaft : FINANZ-ABC: SHAREHOLDER-VALUE - Aktionärsinteresse im Mittelpunkt

PETER HEIN

Statt Unternehmen immer weiter aufzugliedern, mit den leistungsfähigen Teilen Gewinn machenVON PETER HEIN

Steigende Aktienkurse, sprudelnde Unternehmensgewinne - doch auf dem hiesigen Arbeitsmarkt ist immer noch keine Wende erkennbar.Neben strukturellen Problemen des Standorts Deutschland machen Wirtschaftsexperten vor allem die Umsetzung des Shareholder-value-Konzepts verantwortlich, das seit 1996 Einzug in die Vorstandsetagen deutscher Konzerne gehalten hat.-Der Grundgedanke dieses vom amerikanischen Wirtschaftsprofessor Alfred Rappaport entwickelten Konzepts ist, daß die Aktionärsinteressen im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns stehen.Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, denn schließlich stellen die Aktionäre dem Unternehmen den wichtigsten Rohstoff zur Verfügung: ihr Geld.Und sie bezahlen den Vorstand, damit dieser das beste daraus macht.Doch für viele Unternehmenslenker war das in der Vergangenheit eher zweitrangig.Stattdessen wurde diversifiziert und expandiert um jeden Preis.Das brachte zwar den Umsatz auf Trab und steigerte gesellschaftliche Macht und Einfluß des Managements, die Rentabilität blieb dabei jedoch in vielen Fällen auf der Strecke.-Aktionäre sind aber an einer angemessenen Verzinsung ihres Geldes in Form von Dividenden und Kurssteigerungen interessiert.Der Aktienkurs steigt aber nur dann, wenn der Unternehmenswert steigt.Jahresüberschüsse, Bilanzgewinne oder -relationen sind dabei zur Beurteilung ungeeignet, weil die deutschen Bilanzierungsregeln große Spielräume zulassen.Ganz simpel ausgedrückt geht es darum, daß die Erlöse der getätigten Investitionen über den Kapitalkosten liegen und die Unternehmensmittel in die besten - sprich: rentabelsten - Verwendungsmöglichkeiten gesteckt werden.Sind die Kapitalkosten hingegen höher als die Erlöse, wird Unternehmenswert und damit Aktionärsvermögen vernichtet. Das wird am ehesten dadurch verhindert, daß die Zukunft besser geplant und die Rentabilität jedes einzelnen Geschäftsbereiches und jeder Tochtergesellschaften ständig überprüft wird.Ein "Durchschleppen" unrentabler Unternehmensteile mit den Gewinnen aus anderer Sparten ist tabu.Verlustbringer werden geschlossen oder verkauft.Auf diese Weise kann sich das Unternehmen über kurz oder lang auf seine ertragreichsten Bereiche konzentrieren.Das schließt eine Diversifizierung in neue Geschäftsfelder nicht aus.Wichtig dabei ist aber, daß das Management von vornherein Renditeziele definiert. Zum Shareholder-Value-Konzept gehört auch eine offene Kommunikation mit den Aktionären, die ihrerseits auch das Management stärker kontrollieren.Mehr als bisher muß sich der Vorstand an seinen unternehmerischen Erfolgen messen lassen.Kritiker werfen dem Shaeholder-value-Gedanken deshalb vor, er führe zu kurzfristigem Gewinnstreben und radikalem Arbeitsplatzabbau. Sie setzen auf das Stakeholder-Konzept, nach dem ein Unternehmen nicht nur den Kapitalgebern, sondern auch Mitarbeitern, Gläubigern, Kunden und Fiskus zu dienen hat.Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß nur rentable Arbeitsplätze langfristig sicher sind und an entsprechenden Gewinnen automatisch auch alle anderen Gruppen teilhaben.Außerdem werden deutsche Börsengesellschaften um den Shareholder-Gedanken über kurz oder lang nicht herumkommen, denn im Kampf um Anlagegelder müssen sie sich dem internationalen Wettbewerb stellen.Große institutionelle Investoren werden ihr Geld aber in diejenigen Firmen stecken, die ihnen die besten Renditen versprechen.Und bisher, so haben Bankstudien gezeigt, haben Aktien mit Shareholder-value-Orientierung die Konkurrenz im Kurs locker abgehängt.

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