Wirtschaft : Finanzämter erkennen Kosten bei Kündigung von Policen an

Frankfurt am Main - Millionen Inhaber von Lebensversicherungen können auf die Hilfe des Fiskus hoffen. Bisher blieben sie auf Verlusten sitzen, wenn sie ihre Versicherung vorzeitig kündigten. In vielen Fällen floss weniger als die Hälfte der Beiträge zurück, auf Zinserträge fielen häufig auch noch Steuern an. Künftig könnte sich der Fiskus an dem Minusgeschäft beteiligen. Erstmals haben Finanzämter die Verluste anerkannt.

In den Steuerbescheiden, die dem „Handelsblatt“ vorliegen, rechnen die Finanzbeamten die Kosten etwa für Verwaltung oder Prämien für Versicherungsvermittler steuermindernd an. Im Bundesfinanzministerium lautet die Antwort auf drohende Steuerausfälle noch lapidar: „Die Fälle haben Potenzial, finden aber zurzeit noch keine breite Anwendung.“ Sollte sich das ändern, bedeutete dies jedes Jahr Steuerausfälle in Milliardenhöhe.

Für Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) kann das Problem eine erhebliche Dimension annehmen. Die Deutschen besitzen insgesamt rund 94 Millionen Lebensversicherungen. Mehr als jede zweite davon wird vorzeitig beendet. Allein 2006 und 2007 zahlten deutsche Versicherer gemäß Zahlen des Branchenverbandes GDV jeweils mehr als zwölf Milliarden Euro vorzeitig aus. Nach Berechnungen von Verbraucherschützern entstehen bei gekündigten Verträgen für die Versicherten oft Verluste von mehr als 50 Prozent. Damit fielen Werbungskosten von mehr als zwölf Milliarden Euro pro Jahr an. Bei einer niedrigen Steuerquote von 20 Prozent könnte dies für den Finanzminister Mindereinnahmen von zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr bedeuten.Und das ist vorsichtig kalkuliert. Die Verbraucherzentrale Hamburg errechnete für mehr als 400 Lebensversicherungen eine Verlustquote von fast 70 Prozent pro Vertrag.

Daher rät Steuerberater Heiko Stoll von Simmons & Simmons nun: „Jeder Steuerpflichtige sollte zukünftig seinen finanziellen Verlust beim Rückkauf aus der Lebensversicherung beim Finanzamt geltend machen.“ sig/itt (HB)

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